Augen und Sport:

Mit den Besonderheiten der Augen beim Sport, beschäftigt sich die sogenannte Sportophthalmologie (Sportaugenheilkunde), eine Unterdisziplin der Augenheilkunde, bzw. der Sportmedizin. Dazu gehören verschiedene Aspekte der Sehfunktionen, insbesondere die Sehschärfe und ihre Grenzen, das dynamische Sehen (s.u.) und seine Grenzen, Risiken beim Sport, Unfallverhütung, welche Form der Korrektur des Sehfehlers ist bei welcher Sportart angebracht, die Sportfähigkeit bei bestimmten Allgemeinerkrankungen mit Augensymptomen und das Sportfähigmachen von Behinderten und Blinden, sowie ihre Einstufung für Wettkämpfe. Im Berufsverband der Augenärzte gibt es einen Arbeitskreis und Kollegen, die sich speziell mit diesen Fragen beschäftigen.

Häufigkeit, Risiko und Verhütung von Augenverletzungen beim Sport:

Sportunfälle betreffen zu 75% Männer und zu 25% Frauen. 13% der Sportverletzungen sind Kopfverletzungen. 80% der Skiunfälle sind durch Seh- oder Wahrnehmungsfehler bedingt. 1% aller Sportverletzungen betreffen das Auge. Bis zu 10% der sportverletzten Augen erblinden mittelfristig. 90% der Augenverletzungen im Sport gelten als vermeidbar.

Das höchste Augenverletzungsrisiko besteht beim Squash. Es sollte hier immer eine Schutzbrille getragen werden. Es gibt heutzutage für alle möglichen Sportarten spezielle Schutzbrillen. Ihnen gemein ist bruchfestes Kunststoffglas und ein stabiles Kunststoffgestell (die meisten Brillenverletzungen im Sport betreffen Metallgestelle), daß sich ausserhalb des Augapfels an der knöchernen Augenhöhle abstützt, wenn ein Aufprall durch einen Schläger oder Ball stattfindet. Beim Fußball kommt es meist zu Prellungen des Augapfels mit dem Risiko von Blutungen und Zerreissungen im Auge. Interessanterweise ist das Risiko in den unteren Ligen am größten, während beim Handball die oberen Ligen betroffen sind. Auch alle Stock- und Schlägersportarten sind gefährlich. Skistöcke und Eishockeyschläger sind häufig die Übeltäter. Der Augeninnendruck steigt bei Kopfunter-Sportarten um 6-20mmHg an. Bei bis zu 55% der Bungee-Springer treten Netzhautblutungen auf. Bestehen hier schon körperliche Schwachpunkte wie bei der diabetischen Retinopathie, sollte man dies auf keinen Fall machen. Beim Profi-Boxen kommt es häufig zu Linsen- und Netzhautschäden. Ausdauersportarten wie Marathon, sollten nur mit harten hoch gasdurchlässigen Kontaktlinsen betrieben werden, da sonst Sehstörungen und Schäden der Hornhautoberfläche auftreten können. Beim Tauchsport sind auch bestimmte Besonderheiten bei der Sehfehlerkorrektur zu bedenken.

Augenverletzung

Was muß ich nach operativer Korrektur meines Sehfehlers beim Sport berücksichtigen ?

Bezüglich operativer Sehfehlerkorrektur (hier werden die im folgenden erwähnten Verfahren beschrieben) ist zu bedenken, daß eine zusätzlich zur normalen oder einer künstlichen Linse implantierte Kunstlinse für Sporttreibende aufgrund der nicht 100%sicheren Befestigung generell nicht in Frage kommt. Die alleinige Kunstlinse nach Operation des Grauen Stars ist kein Problem. Alle Lasereingriffe mit Hornhaut-Flap (z.B. LASIK) sind für Kontaktsportarten (z.B. Boxen, Karate, Judo, Ringen, Wasser- und Handball) nicht geeignet, da es bei entsprechenden Treffern noch nach Jahren zu einem Verschieben des Flaps kommen kann. Hier ist die photorefraktive Keratektomie (PRK) das geeignete Verfahren. Prinzipiell die RelexSmile-Op auch, hier liegen aber noch keine ausreichenden Erfahrungen vor. Solange nach einer solchen Operation kortisonhaltige Augentropfen genommen werden, muß bei Spitzensportlern geklärt sein, ob sie in die Dopingliste fallen.

Ist gutes Sehen im Sport trainierbar, was ist dynamisches Sehen ?

Dynamisches Sehen ist das Erkennen und Einschätzungen von schnellen Bewegungen von Gegenständen in der Umgebung, ggf. bei eigener Bewegung. Von Bedeutung ist hier die Leistung der Augenmuskeln aber auch die Bearbeitung des Bildes in Netzhaut und Sehzentrum, insbesondere im Bereich Stereosehen. Die seit vielen Jahren bekannten nicht sportartspezifischen Trainingsprogramme (Sports Vision Trainings, Eye Exercise Programms) haben hier bisher keinen nachweisbaren Erfolg bei der Steigerung der Leistungsgrenzen gezeigt. Letztendlich kommen Anlage und die Lerneffekte aus realen sportlichen Belastungssituationen zusammen. Das Sehen in den äußeren Bereichen, d.h. die Ausnützung des Gesichtsfeldes und Blickfeldes ist durch regelmäßiges Training steigerbar. Es werden dort mehr Informationen aufgenommen und die Einschätzung von Bewegungen (“Wo wird der Ball wann auftreffen”) wird mit zunehmender praktischer Erfahrung immer besser. Anlagebedingt wiederum gibt es z.B. Volleyballspieler mit besserem Stereosehen, die in der Ballannahme dann einfach überlegen sind. Am ehesten sinnvoll ist neben intensiver Praxis z.B. die Wahrnehmungsschulung mit der Volleyball-Kartothek 6, die auch auf andere Sportarten übertragbar ist.

Beispiele zu den Leistungsgrenzen: Ab einer gewissen Geschwindigkeit., ist das Sehsystem überfordert und man kann nur schätzen ob etwas so war. Dies gilt z.B. für Linienrichter, insbesondere im Tennis. Die - wie Versuche ergaben - häufig nur meinen, den Aufprallpunkt des Balles gesehen zu haben. Auch die Abseitsregel im Fußball überfordert das Sehsystem, da zwei Ereignisse an evtl. weit von einander entfernten Punkten gleichzeitig beobachtet werden müssen. Hierzu muß man wissen, daß nur in einem kleinen Feld des gesamten Gesichtsfeldes wirklich scharf gesehen wird. Dies entspricht der Fovea auf der Netzhaut und der Größe eines Daumennagels bei ausgestrecktem Arm oder 2 Buchstaben nebeneinander in einem Buch. Nur dies ist der sogenannte “Schärfe-Spot”. Das dabei das gesamte restliche Gesichtsfeld unscharf ist, merken wir nicht, denn das Auge bewegt sich blitzschnell hin und her und das Gehirn setzt dabei das Bild der Umwelt aus vielen kleinen “Augenblicks-Bildern” zusammen. Entsprechend wird, je nach Aufmerksamkeit die wir einem bestimmten Gegenstand in unserem Gehirn zubilligen, eine Änderung desselben sogar übersehen. Vor allem Dinge, die sich nicht auffällig ändern, werden da schnell nicht wahrgenommen. Im Strassenverkehr kann dies von extremer Bedeutung sein. Deswegen wird ja auch empfohlen, Bremsleuchten blinken zu lassen, statt des derzeitigen gleichmäßigen Leuchtens, damit sie auch noch aus dem Augenwinkel als auffällig erkannt werden. Im Bereich des Sports werden diese Erkenntnisse - aus Problemen der praktischen Umsetzung heraus - bisher nicht berücksichtigt. Das würde z.B. bedeuten, daß man nur den Videobeweis in Fußball zulässt oder im im Fußballtor bzw. an den Tennislinien Sensoren im Boden anbringen müsste. Nach einigen dramatischen Fehlentscheidungen von Schiedsrichtern gibt es wenigstensim Fußball jetzt die Torlinientechnik. Im Dezember 2014 gab es eine Abstimmung in der ersten Bundesliga. Mit Zweidrittelmehrheit wurde die Einführung der Torlinientechnologie beschlossen.

Im Internet:

Test von Schulsportbrillen sowie Gefahren und Schutz für die Augen im Sport:

http://www.sicherheitimsport.de/sehenimsport

(Stand 05.05.2019)