Lidschwellungen:

Eine Lidschwellung ist eine Vorwölbung eines Teils des Lides oder eines ganzen Lides über die normale Form hinaus. Für vorübergehende oder immer wieder neu auftretende Lidschwellungen gibt es zahlreiche Ursachen. Dauerhafte Schwellungen der Lider können entweder an der fehlenden Rückentwicklung einer an sich vorübergehenden Lidschwellung liegen oder es besteht von vornherein ein chronischer Prozess.

Welche Ursachen für Lidschwellungen gibt es ?

Bei plötzlichen Lidschwellungen handelt es sich in der Regel um ein sogenanntes Lidödem, eine Flüssigkeitseinlagerung unter der dünnen Lidhaut. Die dünne Schicht unter der Lidhaut lagert besonders leicht Flüssigkeit ein, da sie nicht so fest mit der Unterlage

Unterlidschwellung durch Gewebserschlaffung, sogenannter "Tränensack"

verwachsen ist, wie der Rest der Gesichtshaut und deutlich mehr Lymphgefäße und Blutgefäße enthält. Die Ursachen können sein.:

  • Allergisch: Pollen, Hausstaub etc. kann zu allergisch bedingten Wassereinlagerungen führen (s. unter Allergien). Typisch ist hier das wiederkehrende Auftreten in bestimmten Situationen, nämlich wenn Kontakt mit dem allergiesierenden Stoff bestand. Zum Beispiel morgens bei Allergien gegen Staubmilben, nach einem Spaziergang draussen etc. Im Lidbereich häufig sind auch Kontaktallergien durch Kosmetika, Shampoos, Duftstoffe und Brillengestelle.

  • Trockenes Auge: Aufgrund der Austrocknung an der Bindehautoberfläche (Trockene Luft, Zug etc.) können Fremdstoffe eher in die Schleimhaut der Lidinnenseite eindringen und so zu Reizzuständen der Oberfläche führen. Der Übergang in allergische Reaktionen ist dann fliessend. Da nachts keine Tränen gebildet werden, sind die Oberflächenbeschwerden morgens besonders deutlich und können auch zu begleitenden Lidschwellungen führen. Abendliche Förderung von Austrocknung und Oberflächenreiz z.B. durch intensive Einwirkung von Zigarettenrauch führt zu stärkeren Beschwerden (s.a. Trockenes Auge)

    Orbitazellulitis

  • Entzündlich: Im Rahmen von Bindehautentzündungen und Lidrandentzündungen aber auch Gerstenkörnern kommt es auch zu begleitenden Lidschwellungen, da jede Entzündung zu Flüssigkeitseinlagerungen in ihrer Umgebung führt und dies im Augenbereich besonders leicht geht. Möglich sind auch Schwellungen aus der Augenhöhle, verursacht durch Entzündungen in den Nasennebenhöhlen wie auf dem oberen Bild. Man spricht hier von Orbitazellulitis, d.h. eine Entzündung in der Augenhöhle ohne Eiter. Mit Eiter, d.h. bakteriell bedingt (meist aus den Nasennebernhöhlen fortgeleitet) wäre es eine Orbitaphlegmone.

  • Allgemeinerkrankungen: Insbesondere Nierenschäden und Herzschwächen aber auch zahlreiche andere Erkrankungen (z.B. die Endokrine Orbitopathie oder der Herpes Zoster) können Lidödeme verursachen. Im Zweifelsfall muß dies beim Facharzt für innere Medizin oder dem Hautarzt abgeklärt werden.

  • Statisch: Durch bestimmte länger aufrechterhaltene Körperstellungen kommt es zu einer Umverteilung von Flüssigkeit im Körper. Bekannt sind vor allem die “dicken Füsse” bei langem Stehen. Aber auch die Lider lagern leicht Wasser ein, so daß bei langem Liegen eine leichte Schwellung vor allem der Unterlider typisch ist. Hinter morgendlichen “Tränensäcken”, die sich im Laufe des Tages zurückentwickeln muß also nicht immer was “Schlimmes” stecken. Vor allem mit zunehmenden Alter ist es daher normal, daß der altersbedingt eh schon vorhandene leichte “Tränensack”, auf den man vielleicht tagsüber gar nicht so achtet, morgens “auffällig” wird, da er durch das Gewebswasser verstärkt wird und Anlaß zu Sorge gibt. Flüssigkeitseinlagerungen können nicht operativ beseitigt werden. Aufgrund des anderen Aufbaus der Lider nützen Lymphdrainagen (spezielle Massagetechnik), die an anderen Stellen des Körpers erfolgreich sind, eher wenig und “leiern” die dünne Lidhaut höchstens aus..

Es können jedoch auch mehr feste Einlagerungen die Ursache sein. Hier kommen alle Lidtumore (entwickeln sich allerdings eher langsam) und darunter vor allem das Gerstenkorn (am häufigsten und schnellsten) in Frage.

Bei länger bestehenden und evt. langsam zunehmenden Lidschwellungen muß man unterscheiden zwischen krankhaften Prozessen wie Tumoren in der Augenhöhle oder vorstehenden Augäpfeln aufgrund einer Schilddrüsenüberfunktion (Morbus Basedow) und altersbedingter Erschlaffungen des Gewebes wie den Tränensäcken und den erschlafften Oberlidern. Bei den letzteren beiden handelt es sich um einen Elastizitätsverlust der Haut und der darunter liegenden Schichten. Dadurch “beult” sich das dahinter liegende Fett nach vorne und macht einen festen im Tagesverlauf nicht abnehmenden (siehe oben Ödeme) “Tränensack” am Unterlid, der durch eine kosmetische Lidoperation entfernt werden kann oder ein sogenanntes Schlupflid am Oberlid, bei dem auch operativ vorgegangen werden kann.

Was kann man dagegen tun ?

Wenn möglich sollte bei plötzlich auftretenden Schwellungen zuerst die Ursache bekämpft werden, d.h. die Bindehaut- und Lidrandentzündungen oder das Gerstenkorn behandelt, bzw. den allergischen Stoffen oder austrocknenden Einflüssen aus dem Weg gegangen werden, etc. Führt dies nicht zu ausreichenden Ergebnissen, können folgende Begleitmaßnahmen erwogen werden:

  • Den morgendlich Schwellungen mit kühlenden Kompressen entgegenwirken. Praktisch sind Augenkühlmasken (“Cool-Packs”). “Vegetarier” können auch gekühlte Gurkenscheiben nehmen. Beliebt aber aufgrund möglicher allergischer Reaktionen nicht generell empfehlenswert sind “Schwarzer Tee-Beutel-Auflagen” (nach Gebrauch im nassen Zustand im Kühlschrank gekühlt und anschliessend für 5-15 Minuten auf die Lider aufgelegt). Auch der ansonsten beliebte Kamillentee ist nicht so günstig, da er gelegentlich zu allergischen Reaktionen führt.

  • Abends Rauch und Alkohol vermeiden.

  • Nicht zu warm schlafen und wenn möglich nicht ganz so flach

  • Insbesondere bei Verdacht auf generelle Wassereinlagerungen ein “Reistag” (drei bis 5 Reismahlzeiten mit 250-350g Vollkornreis ohne Salz und Zucker aber gewürzt oder Obst) zum entwässern. Macht zwar mehr Arbeit ist aber gesünder als entwässernde Tabletten. Aufgrund Ihrer Wirkung auf den Salz- (Elektrolyt-) Haushalt des Körpers sind letztere nämlich auf Dauer ungesund.

  • spezielle Schminktechniken zum Abdecken: Dunkle Farben “senken ab” (Kosmetikerin fragen)

  • Vorübergehend - d.h. für jeweils einen Tag, bis zum Abwaschen der Haut - erstaunliche Wirkungen kann man innerhalb von Minuten mit der Anwendung von kosmetischen Präparaten erzielen, die die Haut etwas zusammen ziehen..

  • Was man nicht tun sollte: Die als “Geheimtip” empfohlenen Hämorrhoidencremes auftragen. Die abschwellende Wirkung kommt meist durch das enthaltene Cortison. Das führt zur Ausdünnung der Haut mit Ekzemneigung und verstärkten Augenringen als Folge. Da sollte man sich lieber mal mit seinem Hautarzt unterhalten, der Verträglicheres anmischen lässt.

Bei länger bestehenden Verdickungen muß die Ursache herausgefunden werden und gegebenenfalls die Liderschlaffung, der Tränensack oder der Tumor operativ entfernt werden.

(Stand 04.12.2017)