Augenbeteiligung bei Borreliose:

Die Borreliose auch Lyme-Borreliose genannt, ist eine Infektionskrankheit, bei der durch einen Zeckenstich Bakterien, sogenannte Borrelien, übertragen werden.

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Auf dem obigen Bild 2 ganz unauffällige Zecken am Unterlid, die sich noch nicht vollgesaugt haben und deswegen noch so klein sind. Zecken krabbeln auch manchmal erst mehrere Stunden lang am Körper umher, bevor sie stechen. Sie saugen dann bis zu 15 Tage und vergrößern ihr Gewicht um das 200-fache und können vollgesogen bis zu 12 mm groß werden. Je länger die Zecke sitzen bleibt, desto höher wird die Wahrscheinlichkeit für die Übertragung von Krankheitserregern. Es vergehen im Schnitt 12 bis 24 Stunden, bis der Zeckenstich zu einer Infektion mit Borreliose-Bakterien führen kann. Deswegen ist die zeitige Entfernung so wichtig. Näheres auch unter Zeckenbiss, was tun?

Die Übertragung tritt glücklicherweise nicht bei allen Zeckenstichen auf, denn die Zecke muß mit den Borrelien infiziert sein. Je nach Region sind bis zu 20% der Zecken infiziert. Bei 325.000 gesetzlich Krankenversicherten ist in 2021 die Diagnose Borreliose gestellt worden. An der Stelle des Einstichs tritt in der Regel - als typisches Zeichen der Übertragung - eine sogannte "Wanderröte", bzw. ein "Erythema chronicum migrans" mit dem Fachausdruck, auf. Hierbei handelt es sich um eine örtliche Infektion der Haut, die sich als kreisrunde, langsam wandernde Rötung um die Einstichstelle herum, 5-29 Tage nach dem Insektenstich, bemerkbar macht. Die Wander röte tritt jedoch nicht immer auf und sitzt auch gern an schlecht einsehbaren Stellen, so das viele Betroffene diesen Beginn der Erkrankung gar nicht bemerken. Ein Bild eines seltenen Beispiels im Augenbereich, findet sich im Kapitel Rotes Auge. Bleibt die Behandlung aus, kann eine Ausbreitung auf den ganzen Körper mit den unten aufgeführten Folgen stattfinden.

Im Gegensatz zu der auch durch Zecken übertragenen Frühsommermeningoenzephalitis (FSME), gegen die man als Vorbeugung impfen kann und mit der nur 5% der Zecken infiziert sind, gibt es bei der Borreliose keine vorbeugende Impfung, sondern nur eine rechtzeitige Antibiotikatherapie verhindert die unerfreulichen Spätfolgen durch Ausbreitung auf den ganzen Körper. Besteht aus anderen Gründen, als der typischen Wanderröte, der Verdacht auf eine Borreliose, werden bei mittels Blutuntersuchung nachgewiesenen Antikörpern gegen Borreliose UND passenden Symptomen die entsprechenden Antibiotika gegeben. Liegen im Blut lediglich Antikörper gegen die Borrelien vor aber bestehen keine Beschwerden, werden keine Antibiotika gegeben, da es sich dann lediglich um eine in der Vergangenheit durchgemachte Borreliose handelt.

Die Borreliose ist in den Spätstadien, nach der ursprünglich örtlichen Entzündung im Bereich des Zeckenstichs, eine Erkrankung des gesamten Körpers, die sich an unterschiedlichsten Stellen bemerkbar machen kann. Allgemeine Erkrankungsfolgen haben glücklicherweise nur 5% der Infizierten und die Spontanheilung liegt bei 99%. Eine Organbeteiligung der Gelenke (schmerzhafte Gelenkentzündungen = Lyme-Arthritis), des Nervensystems (Neuroborreliose vor allem mit Lähmungen und Nervenschmerzen), des Herzens (Lyme-Karditis), seltener aber auch der Augen, kann Tage, Wochen bis Monate nach der Infektion auftreten. Das große Problem ist, dass die Beschwerden - mit Ausnahme der Wanderröte an der Einstichstelle - sehr unspezifisch und völlig verschieden sein können, so das die betroffenen Patienten häufig eine Odyssee zu verschiedensten Ärzten hinter sich haben, bis die Diagnose steht. Gehen die Beschwerden mehr als 6 Monate, spricht man von einer chronischen Erkrankung. Gehen die Beschwerdesymptome bei chronischen Formen in Schäden der Organe über, kann keine komplette Heilung mehr erzielt werden. Besonders gefürchtet ist dabei die Neuroborreliose. Hier treten an unterschiedlichsten Stellen des Körpers Nervenschäden auf.

Welche Probleme treten im Augenbereich auf ?

Wie auch die allgemeinen Symptome, tritt auch hier nicht alles auf, sondern es kann sich auf einzelne Dinge beschränken und daher denkt man nicht immer an eine Borreliose, vor allem wenn der häufig versteckt liegende Stich nicht erinnerlich ist. Die Borelliose ist so ein bißchen wie ein Clown, er kann in den unterschiedlichsten Masken auftreten. Insofern ist der Augenarzt auch nicht derjenige, der die Borreliose diagnostiziert, sondern allenfalls der, der - insbesondere bei unklaren Aderhautentzündungen - an den Internisten oder Hausarzt überweist, um die Ursache mittels Blutuntersuchungen nachzuweisen. Im folgenden die häufigsten Erscheinungen am Auge ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

  • Hauptsächlich entzündliche Veränderungen von der eher harmlosen Bindehautentzündung, über die Hornhautentzündung bis zu unterschiedlichen Formen der Aderhautentzündung (Iridozyklitis, Chorioiditis, Netzhautgefäßentzündung), die zu dauerhaften Netzhautschäden mit Sehabfall führen können.
  • Schleichend kann es auch zu einer Sehverschlechterung durch eine Sehnervenentzündung (Opticusneuritis) kommen.
  • Eine flüssigkeitsbedingte (exsudative) Netzhautablösung kann im Rahmen der Aderhautentzündungen auftreten.
  • Durch die Neuroborreliose kommt es bei 5% der Erwachsenen und 50% der Kinder zu einer Gesichtslähmung (periphere Fazialisparese). Durch die eingeschränkte Funktion schließt das Lid nicht richtig, ein sogenannter Lagophthalmus tritt auf, der zu Austrocknungsschäden der Augenoberfläche führen kann.
  • Am zweithäufigsten im Rahmen der Neuroborreliose ist eine Lähmung eines bestimmten Augenmuskels (Abduzensparese) und dadurch Schielen in der Folge.

Internet:

Informationsseite der Patientenorganisation für Lyme-Borreliose

RKI-Ratgeber

Informationen der Barmer

Östereichisches Gesundheitsportal

(Stand 12.08.2022)