Tränensäcke als kosmetisches Problem:

Tränensack - was ist das ?

Bei den sogenannten “Tränensäcken” handelt es sich nicht um ein Behältnis für die Tränen das bei zu vielem oder zu wenigem Weinen dicker wird. Der eigentliche Tränensack ist im gesunden Zustand von aussen gar nicht sichtbar und verläuft in einem Knochenkanal an der Seite der Nase (vergleiche schematisches Bild auf der Seite Tränenwegserkrankungen). Hier werden die das Auge spülenden Tränen gesammelt und in die Nase weitergeleitet (deswegen muß man “schniefen” wenn man weint).

Was im Volksmund “Tränensäcke” genannt wird, ist entweder eine kurzfristige oder auch dauerhafte Flüssigkeitsansammlung im Lidgewebe (Lymphödem ), die sich als Schwellung (Lidschwellungen) bemerkbar macht oder eine dauerhafte Erschlaffung und Vorwölbung von Haut und tiefer liegenden Strukturen (Muskel, Fettgewebe) unterhalb der Augen (siehe Bild unten bei der Büste eines prominenten Herrn) oder da drunter ein Photo eines Betroffenen in Seitenansicht

Tränensack prominent

Tränensack

Häufig liegen Kombinationen der obigen Ursachen vor, die auch im Tagesverlauf schwanken können. Anlagebedingt kann die Liderschlaffung teilweise sehr früh auftreten (siehe Beispiel unten).

Tränensäcke 30 Jahre

Im Alter bildet sich diese Veränderung bei den meisten Menschen verschieden stark aus. Auch wenn durch das Bindegewebe schädigende Prozesse (viel Sonne, häufige Lidschwellungen) - diese Entwicklung beschleunigt wird, ist die Ausbildung von Tränensäcken kein Beweis für “unsoliden Lebenswandel”. Wie stark hier auch die Vererbung zum Tragen kommt, kann man in manchen Familien deutlich sehen, wenn man mal 3 Generationen nebeneinander stellt und vergleicht.

Nicht um Tränensäcke handelt es sich übrigens auf dem Bild unten. Dies sind einfach sichtbare kräftige Schließmuskeln (Orbicularismuskel) des Auges unten. Das ist anlagebedingt und findet sich auch häufig bei Leuten, die viel lachen. So etwas sollte man selbstverständlich nicht operieren, denn es gehört natürlicherweise zu diesem Gesicht dazu.

hypertropher Orbicularismuskel

Die “Tränensäcke” sitzen übrigens etwas unterhalb des Lidschließmuskels, wenn man die beiden letzten Bilder vergleicht.

Was kann man gegen Tränensäcke tun ?

Insbesondere auf den vorübergehenden Schwellungsanteil oder noch besser wenn die gesamte Schwellung ausschließlich vorübergehend ist, kann man mit konservativen Methoden Einfluss nehmen (s. Lidschwellungen). Dauerhafte, im wesentlichen auf Gewebserschlaffung beruhende Veränderungen, können nur operativ beseitigt werden - wenn dies gewünscht wird. Einen interessanten Kompromiss statt einer Operation stellen kosmetische Präparate (z.B. Eyesential) dar, die durch Legen eines feinen straffenden Films über die Lidhaut, vorübergehend - d.h. für jeweils einen Tag - erstaunliche Wirkungen bei allen weichen Formen von Tränensäcken erzielen. Dies ist jedoch nur ein mechanisch-kosmetischer Effekt, der den Zustand des Tränensacks nicht dauernd verändert und auch nicht mit jeder Form von Make-up funktioniert.

Wie wird operiert ?

Das vorletzte Bild zeigte einen Fall von relativ frühem (ca. 30 Jahre alt) anlagebedingtem Auftreten. Bei der operativen Korrektur kann hier von der Lidinnenseite (transkonjunktival) vorgegangen werden, so daß keine äußeren Narben sichtbar sind.

Tränensäcke Mitte 40

Bei diesen “Tränensäcken” (unten) hilft nur eine Korrektur von aussen, daß heißt, es wird unterhalb der Wimpern ein Schnitt durchgeführt, die Haut gestrafft und das vordrängende Fettgewebe zusammen mit dem “ausgeleierten” Muskelgewebe entfernt. Eine ganz leichte Narbe bleibt jedoch, die bei sehr glatter Haut bei genauem Hinsehen sichtbar sein kann, bei faltiger Haut nicht auffällt und zumindest bei Frauen - falls notwenig - überschminkt werden kann. Im Gegensatz zum Oberlid, bei dem die Operationsnarbe zum größten Teil schnell in der neu entstehenden Lidfalte verschwindet, ist hier die Narbe nicht versteckbar. Bis zu 6 Monate (selten auch deutlich länger) kann der aufmerksame Betrachter noch etwas erkennen. Die Ausprägung ist jedoch sehr verschieden und hängt vom Hauttyp ab. Zu bedenken ist auch, daß jetzt die Fettpolsterung über den Blutgefäßen fehlt und daher ein bläuliches Durchschimmern der Venen zu leichten Augenringen führen kann, die vorher nicht da waren. Ein Beispiel für den Zustand vor und nach Operation finden Sie auf der Seite Tränensackentfernung. Technisch gesehen verläuft die Operation der “Blepharochalasis”, die sogenannteOberlidstraffung übrigens ähnlich.

Liderschlaffung Oberlid und Unterlid Mann

Bei diesem älteren Mann oben finden sich zahlreiche Erschlaffungsvorgänge an den ;Lidern. eine Oberlidstraffung wäre sinnvoll, um das Gesichtsfeld nach oben wieder freier zu machen. Am Unterlid liegt nur eine spezielle Unterlidhauterschlaffung vor. Hier besteht kein Tränensack wie oben, der durch Fettentfernung und ggf. Lidhautstraffung behoben werden könnte, sondern die Haut über dem Wangenknochen (Jochbein) ist durch wiederholte Schwellungen undWassereinlagerungen “ausgeleiert”

Man sprich auch von Jochbeinsäcken, in der englischen Literatur auch "Malar Bags". Hier kann man nur an der Stelle selbst den Hautüberschuss wegschneiden, behält aber auf jeden Fall eine - wenn auch nicht stark - sichtbare Narbe.

Wo kann ich mich operieren lassen ?

Immer wieder kommen E-Mail-Anfragen, bei wem man sich denn seine Tränensäcke operieren lassen kann. Namentliche Empfehlungen kann man leider aus wettbewerbsrechtlichen Gründen in diesem Rahmen nicht aussprechen. Prinzipiell in Frage kommen erfahrene Lidchirurgen (operative Augenärzte, die sich unter anderem auf die Lider spezialisiert haben) und plastische Chirurgen. Da aber nicht jeder Chirurg der im Gesicht schneidet sich mit den Lidern gut auskennt und praktische Erfahrungen in ausreichender Menge hat, sollte man einfach mal fragen, ob das zu seinen Standardeingriffen gehört, sich vielleicht Bilder von seinen Operationen zeigen lassen oder andere Personen, die das schon hinter sich haben, nach ihren Erfahrungen und Ergebnissen fragen. Solche subjektive Erlebnisse sind manchmal aber auch mit Vorsicht zu geniessen, da die Gesichter und damit die Möglichkeiten sehr verschieden sind. Auch der beste Chirurg kann nicht aus jedem “Cindy Crawford” machen.

Der Schauspieler Uwe Ochsenknecht, der sich laut Presseveröffentlichung vom Januar 2003 zu seiner Zufriedenheit unter anderem die Unterlider operieren ließ, sah für sich als Argument für diese Operation: “ Ich habe keine Lust gehabt mit Tränensäcken wie Horst Tappert herumzulaufen”. Das braucht man heutzutage auch nicht, wenn man es nicht will, man kann aber, wenn man dazu steht. Diese Operationen sind eben wirklich eine Frage des Selbstbildnisses und des persönlichen Geschmacks. Der Rest ist Geschick des Operateurs.

(Stand 20.06.2016)