Blendung und Lichtempfindlichkeit:

Wie entsteht Blendung ?

Blendung entsteht dadurch, daß die Lichtintensität die Anpassungsmöglichkeiten des Auges überfordert und dadurch das Sehen für eine gewisse Zeit eingeschränkt ist, weil die Rezeptoren (s.Sehvorgang) “überfordert” sind.

Welche Anpassungsmöglichkeiten hat der Körper ?

Man kann die Augen zukneifen, die Pupille wird enger, die Netzhaut reduziert ihre Empfindlichkeit. Darüber hinaus bleibt nur die Möglichkeit den Lichteinfall ins Auge von aussen zu begrenzen (Sonnenbrille oder Schutzbrille), damit wieder reguläres.Sehen möglich ist bzw. nicht eine Schwelle überschritten wird, die zu einem dauerhaften Schaden führt (s.a. Bedeutung des Lichtes). Kein Schaden ist es übrigens, wenn das Sehsystem gegenreguliert und den hellen Bereich auf der Netzhaut unsensibler verarbeitet und den Bereich drumherum aufhellt. Dies ist eine normale Reaktion und macht sich im Extremfall mit einem sogenannten

Blendung durch Spiegelung

Nachbild bemerkbar. Man sieht dann an der Stelle wo die helle Lichtquelle war (z.B. Scheinwerfer oder Sonne) für einige Sekunden länger noch einen schwarzen Fleck und drumherum alles hell. Dieses Phänomen der Kontrastverstärkung gibt es sowohl für Farben (siehe unter farbige Nachbilder) als auch für Helligkeitsunterschiede wie in unserem Beispiel.

Was ist dagegen Lichtempfindlichkeit ?

Dieser Begriff geht etwas weiter als nur Blendung. Manche Menschen werden nicht nur leichter geblendet, sondern reagieren auch mit mehr Reaktionen (Tränen, Rötung etc.) am Auge. Dann spricht man von Lichtempfindlichkeit. Da man dann gerne das Licht meidet gibt es auch den Begriff Photophobie (griechisch für “Angst vor dem Licht”)

Warum sind manche Menschen blendungs- und lichtempfindlicher ?

Hier gibt es zahlreiche Ursachen, die teilweise auch auf der Seite Sehprobleme im Dunkeln aufgeführt sind.

1.) Reizerscheinungen der Augenoberfläche:

Vor allem beim trockenen Auge aber auch bei chronischen Entzündungen der Augenoberfläche (z.B. Konjunktivitis) kommt es zu einer vermehrten Lichtstreuung an der “rauhen” Augenoberfläche, vermehrter Tränenbildung (verschleiert das Sehen) und damit zu einer vermehrten Blendempfindlichkeit, die ein schlechteres Sehen und damit eine größere Unsicherheit beim Autofahren nach sich zieht. In diesen Fällen helfen meist Tropfen, um zumindest eine gewisse Besserung zu erreichen. .

Gegenlicht

Egal wo die Ursache der Lichtstreuung sitzt, das Problem entsteht erst durch die Tatsache, das die Netzhaut mit dem vielen Licht nicht “zurecht kommt”, überreizt ist und darunter dann die Sehschärfe bzw. das Kontrastsehen leidet. Man erkennt vor lauter Helligkeit in den dunkleren Bereichen nichts mehr.

2.) Alter:

Mit zunehmendem Alter kommt es zu einer vermehrten Lichtstreuung im Auge (z.B. durch den beginnenden grauen Star) und abbaubedingt zu einer verminderten Leistungsfähigkeit

bzw. vermehrten Blendempfindlichkeit der Netzhaut. Die Netzhaut ist leider nur begrenzt beeinflußbar. Es wird empfohlen, viel Lutein und Xeaxanthin-haltige Nahrungsmittel zu sich zu nehmen, um die Bildung von Makulapigment zu fördern, daß Teile des Lichtes besser absorbieren kann (s.a.Vitamine bei Makulopathie). Den grauen Star jedenfalls kann man bei entsprechender Ausprägung operieren.

3.) Hornhauttrübungen:

Ist die Hornhaut nicht mehr ganz klar, kommt wie beim grauen Star weniger Licht ins Auge oder es wird mehr gestreut. Ursache können Altersveränderungen (Hornhautdegeneration), Narben durch Verletzungen oder Entzündungen, Lichtstreuung durch Hornhautschwellung (Hornhautödem) z.B. beim Glaukomanfall oder auch Schwellungszustände in der Anfangsphase nach Operationen sein.

4.) Ursachen ausserhalb des Auges:

Veränderungen, die sich im Gehirn bei der Verarbeitung des Lichtes bemerkbar machen, können zu starker Lichtempfindlichkeit führen. typisches Beispiel ist die Migräne, bei der die Betroffenen bekanntlich gerne Zuflucht in abgedunkelten Zimmern suchen. Seltener kann aber auch eine Hirnhautentzündung (Meningitis) oder ein Tumor im Kopf Lichtempfindlichkeit auslösen.

5.) Individuelle Faktoren:

Die Pupillenweite ist emotional, medikamentös, drogenbedingt, krankheitsbedingt, altersbedingt oder einfach anlagebedingt in der Dunkelheit sehr unterschiedlich. Dies kann zu Lichtstreuungen führen, die das Sehen beeinträchtigen. Auch die Reaktionsfähigkeit der Pupille, die ja plötzliches Licht dämpfen soll, spielt eine Rolle. Durch Müdigkeit, Beruhigungsmedikamente, Drogen oder bei bestimmten Krankheiten reagiert sie verlangsamt. Eine anlagebedingt sehr geringe Ausstattung mit Pigmenten (dunkle Farbstoffe die das Licht dämpfen), wie sie im Extremfall beim Albino vorliegt, bedingt eine sehr starke Lichtempfindlichkeit.

Warum stören mich die neuen Leuchten an den Autos so ?

Es gibt gesetzliche Vorgaben zur maximalen Helligkeit von Leuchten im Strassenverkehr. Diese werden auch von allen zugelassenen Kraftfahrzeugen eingehalten. Seltsamerweise kommen einem sowohl die neuen Xenonscheinwerfer (Bi-Xenonscheinwerfer seit 1998), als auch die neuen LED-Rückleuchten viel heller und blendender vor. Wie können die dann die Zulassungshürde schaffen ? Ganz einfach, man muß zwischen der Gesamthelligkeit einer Leuchte und der Leuchtdichte unterscheiden. Der Halogenscheinwerfer (H4 seit 1971) ist insgesamt genauso hell wie der Xenonscheinwerfer und nur dies ist gesetzlich limitiert. Wird jedoch die gleiche Helligkeit auf einer kleineren Fläche produziert, wie dies ja für die kleinen Xenonscheinwerfer und die einzelnen LEDs gilt, ist hier örtlich die Helligkeit intensiver und damit unangenehmer. Das Problem wurde erkannt und soll jetzt mit - extra zu bezahlenden - Lichtsystemen, die automatisch - unter Berücksichtigung der Fahrsituation und des Gegenverkehrs - auf- und abblenden, behoben werden. (Vergleiche auch die Entwicklung der künstlichen Beleuchtung). Derzeit (Neuzulassungen 2014) fahren 85% der Autos mit Halogen-Scheinwerfern, 12% mit Xenon-Scheinwerfern und 12% mit LED-Scheinwerfern. Ganz neu ist das Laserlicht, bei dem das entgegenkommende Auto aus dem Scheinwerferkegel ausgeblendet wird und so Blendung für den anderen Fahrer vermieden wird.

Hinzu kommt noch die unterschiedliche Farbtemperatur dieser Lichtquellen. Hiermit unterscheidet man warme und kalte Farbtöne. Mit Hitze hat das nichts zu tun. Gemessen wird die Farbtemperatur in der Einheit Kelvin (K). Je niedriger der Wert, desto “wärmer” und gelblicher wird die Farbe empfunden und je höher desto “kälter” und blauer wirkt die Farbe. sie wirkt aber nicht nur blauer, sondern wird auch als stechender empfunden. Glühlampenlicht hat ca. 2700K, Halogen 3200K, Xenon 4200K und LEDs liegen mit 5500K nahe am weißen Tageslicht (6500K). Im Rahmen der Wachheit und der Steuerung des Tag-/Nachtrhytmus sind Helligkeit und Farbtemperatur durchaus von Bedeutung.

Davon unterscheiden muß man, daß zahlreiche Autos schlichtweg falsch eingestellte Scheinwerfer haben. Bei Lichttests wurden 2010 bei 35,7% der Autos Mängel an der Lichtanlage festgestellt. Dies bedeutet hochgerechnet auf den PKW-Bestand in Deutschland, daß 15 Millionen Fahrzeuge mit defekter Beleuchtung unterwegs sind.

Was kann ich tun bei Blendung beim Autofahren ?

Wischwasserzusätze ggf. mit Frostschutz und neue Wischerblätter halten die Scheibe aussen sauber. Innen bildet sich jedoch auch oft ein Schmierfilm der auch zur Lichtstreuung führt. Diesen muß man regelmäßig mit Scheibenreiniger und Lappen entfernen. Vor allem bei tiefstehender Sonne im Winter aber auch bei entgegenkommenden Scheinwerfern nicht direkt ins Licht schauen, sondern auf dunkle Bereiche der Straße, z.B. den rechten Fahrbahnrand, sowie ggf die Sonnenblende herunterklappen. Die Wintersonne blendet besonders stark, weil sie flacher ins Auto scheint und durch nasse Strassen, Schnee und schmutzige Scheiben zusätzlich gestreut wird. Wenn Sie im Winter die Scheibe GRÜNDLICH freigekratzt haben, noch warten, bis die Scheibe von innen durch das Gebläse freigepustet wurde und dann mit einem trockenen Tuch nachwischen. Sonnenbrillen helfen etwas (natürlich nicht nachts !) und polarisierende Gläser zusätzlich.

Warum muß ich niesen wenn ich ins helle Licht schaue ?

Der sogenannte “photische Niesreflex” (vom griechischen “photos” =„Licht“) beschreibt das Phänomen, daß manche Menschen niesen müssen, wenn sie plötzlich starker Helligkeit - wie z.B.Sonnenlicht - ausgesetzt sind. In unterschiedlicher Ausprägung findet man diesen Effekt bei 17 bis 35 Prozent der Menschen. Die überwiegende Mehrzahl der Betroffenen reagiert mit maximal dreimaligem Niesen innerhalb eines Zeitraums von 20 Sekunden. Man vermutet, daß der über den Sehnerv weitergeleitete Lichtreiz, den von der Nasenschleimhaut kommenden “Nervus trigeminus” (sensibler Gesichtsnerv) mitreizt, so daß im Gehirn ein Niesreiz ausgelöst wird. Hat sich das Auge an die Helligkeit gewöhnt, sind also die Pupillen verengt und die Empfindlichkeit der Netzhaut heruntergefahren, lässt der Niesreiz nach. 1868 fand der photische Niesreflex Eingang in Wilhelm Buschs kurze Bildergeschichte: “Die Prise”. Ein Mann, der eine Prise Schnupftabak genommen hat, probiert verschiedene Dinge aus, damit das Jucken in der Nase auch tatsächlich zum befreienden Niesen führt. Ein Blick in die Sonne bringt endlich die Erlösung: „Und hilft auch alles dieses nicht,so hilft ein Blick ins Sonnenlicht.“ (aus Wilhelm Busch: “Die Prise”). Ursache ist ausschließlich die extreme Helligkeit. Reduziert man die Helligkeit z.B. durch eine Sonnenbrille, bleibt der Reflex aus. Allergiker kennen auch den Effekt, daß sie draussen in der Nähe ihrer “Lieblinsbäume” weniger niesen, wenn sie eine Sonnenbrille aufhaben. Um den starken Lichtreiz zu dämpfen, kneifen viele Leute im hellen Sonnenlicht auch ein Auge zu, so ist der Reiz nicht ganz so stark.

Was passiert bei Blendung durch Laserlicht ?

Unterhalb einer gewissen Einwirkungsdauer und Intensität kommt es nur zu Blendung, darüber zu dauerhaften Schäden. Näheres s. unter Laser

Weiteres im Netz:

http://symptomat.de/Lichtscheu (kommerzielle Seite aber gut geschrieben)

(Stand 10.02.2018).