Auge und Herpes:

Was macht der Herpes am Auge ?

Zunächst einmal muß man beim Herpes verschiedene Formen mit unterschiedlichen Folgen unterscheiden. Es handelt sich nämlich nicht nur um einen Erreger, sondern um eine ganze Familie von unterschiedlichen Viren:

Was macht der Virus Herpes simplex Typ I ?

Dieser Virustyp ist eine häufige Entzündungsursache der Augenoberfläche. Etwas vereinfachend sprechen wir hier von “Augenherpes”. Ist die Hornhaut - mit in der Spaltlampenuntersuchung meist leicht erkennbaren typischen Anzeichen - betroffen, bedarf es einer intensiven Kontrolle und Therapie, da es zu dauerhaften Narben der Hornhaut mit starken Seheinschränkungen kommen kann.

Hornhautherpes

Hornhautherpes im Bild: Die Hornhaut ist mit einer gelblichen Flüssigkeit beträufelt und im blauen Licht der Spaltlampe sieht man den kleinen verästelten Bereich in der Mitte der Hornhaut.

Leider verläuft die Herpesinfektion der Hornhaut häufig- abgesehen von der Rötung der Bindehaut - mit relativ geringen Beschwerden (z.B. kaum Schmerzen) und erst im fortgeschrittenen Stadium mit Seheinschränkungen kommt der Patient zum Augenarzt. Die Erkrankung ist dann zwar noch heilbar - d.h. die Entzündung klingt ab - aber die Hornhauttrübung ist dann evt. dauerhaft. Der Augenherpes ist das beste Beispiel, daß man eine länger andauernde Rötung der Augen augenärztlich kontrollieren sollte. Leider gibt es immer wieder Fälle wo “erst mal” mit Antibiotika (die hier nicht wirken) ein paar Wochen anbehandelt wurde, ehe man zum Augenarzt ging. Der Herpes am Auge ist übrigens bei Erwachsenen nicht ansteckend, da jeder in der Kindheit schon damit in Kontakt mit dem Virus geraten ist. Er ist lediglich ein “Rückfall” bei dem die Viren, die im Nervenknoten “schlafen” wieder frei werden und entlang des Nervenverlaufs an die Oberfläche wandern Betroffen ist immer der Nerv für die Gesichtssensibilität, der Nervus Trigeminus. Grund für den Rückfall ist ein zu diesem Zeitpunkt z.B. durch andere Krankheiten geschwächtes Immunsystem. Ähnlich wie der Lippenherpes (gleicher Virustyp, 90 % haben den Virus aber nur jeder 5. bekommt gelegentlich Lippenherpes) neigt der Herpes der Hornhaut zu Rückfällen. Interessanterweise gibt es kaum Personen, die sowohl zu Hornhautherpes als auch zu Lippenherpes neigen. Man nimmt an, daß die allererste Eintrittspforte der Viren in der Kindheit dies festlegt. Die Behandlung des Hornhautherpes (meist Tropfen und Salben) ist leider immer sehr langwierig (Monate) und erfordert viel Geduld vom Patienten, da häufig kontrolliert werden muß. Vom Herpesvirus können übrigens fast alle Strukturen des Auges neben der Hornhaut befallen werden. Auch z.B. eine Netzhautentzündung (Retinitis) oder eine Regenbogenhaut- bzw. Aderhautentzündung ist möglich. In diesen selteneren schweren Fällen kommt man in der Regel um Tabletten und Infusionen nicht herum, da die Augentropfen nicht soweit eindringen und Erblindung droht.

Ist die Lidhaut betroffen, finden sich gelbliche Bläschen in Gruppen (unten im Bild). Im Gegensatz zum unten aufgeführten Herpes Zoster sind diese nicht an einen Nervenverlauf gebunden und haben daher nicht einen scharf abgegrenzten Hautbefall. Insbesondere Patienten mit Neurodermitis oder geschädigtem Immunsystem sind hier anfällig. Bei diesen kann es sogar zu einem Ganzkörperbefall kommen. Von der Haut geht der Herpes simplex nicht auf das Auge. Augenärztliche Kontrollen sind jedoch sinnvoll.

Herpes simplex im Gesicht

Was macht der Herpes simplex Typ II ?

Hier gibt es keinen Augenbefall. Es handelt sich um eine ansteckende Geschlechtskrankheit.

Was ist denn Herpes zoster ?

Eine weitere Variante der Herpesgruppe ist das Virus, daß die Gürtelrose hervorruft, der sogenannte Herpes Zoster. Das Varizella-Zoster-Virus . Das gleiche Virus macht in der Kindheit die Windpocken (Varizellen). Es tritt auch als Gesichtsrose auf und kann - muß aber nicht - dann eine Augenbeteiligung zur Folge haben. Diese spielt sich allerdings weniger auf der Hornhaut, sondern mehr im Auge (Aderhautentzündung) ab. Bei Befall des oberen Gesichtsdrittels (Bild unten) , d.h. inclusive der Lider, muß immer ein Augenbefall überprüft werden. Es muß jedoch trotz massiver Lidschwellung nicht unbedingt der Augapfel selbst betroffen sein, da dieser von einem Extranervenast versorgt wird. Die Ausbreitung der Viren in die Haut geht nämlich von den Nervenknoten aus und folgt daher dem Nervenverlauf. Hochwahrscheinlich wird es jedoch, wenn die Nasenspitze auch mit Pusteln befallen ist, da hier wohl dann auch der Nervenast befallen ist, der auch ins Auge führt. Näheres sieh auch im Folgenden:

Die Gürtelrose bzw. Gesichtsrose ist so eine Art örtlicher Rückfall in die Windpocken bei herabgesetzten Immunsystem (Chemotherapie, Alter, Krebs, Autoimmunerkrankunge, Depressionen, etc.),denn der in der Kindheit erworbene Erreger ruht nach der Ausheilung der Windpocken in örtlichen Nervenknoten des für das Gefühl zuständigen Gesichtsnerven (Nervus trigeminus) und kann jederzeit wieder reaktiviert werden und sich entlang der Nervenverläufe wieder ausbreiten. Ein am Herpes Zoster erkrankter älterer Mensch kann daher auch ein Kind mit Windpocken anstecken. 350000 bis 400.000 Menschen erkranken jährlich an einer durch dieses Virus hervorgerufenen Infektion. Bei 20% der ehemaligen Windpockenerkrankten kommt es im Laufe des Lebens zu einer Reaktivierung. Die Wahrscheinlichkeit nimmt mit zunehmendem Alter zu und bei den 85-jährigen sind 50% im Laufe des Lebens schon mal an einem Herpes zoster erkrankt.

Der Herpes Zoster beginnt meist mit Fieber, Kopfschmerzen und allgemeinem Krankheitsgefühl einige Tage oder bis zu 3 Wochen vor den Hauterscheinungen. Dann zeigen sich zunächst eine fleckige Hautrötung und dann kleine Bläschen in gruppenförmiger Anordnung. Dies ist entweder ringförmig am Rumpf (Gürtelrose) oder betrifftscharf abgegrenzt (entsprechend dem Nervenverlauf der sensiblen Gesichtsnerven) ein Drittel einer Gesichtshälfte (Gesichtsrose). Nur wenn der obere Gesichtsast des Nervus trigeminus betroffen ist, besteht Gefahr für das Auge. In der mittleren oder unteren Gesichtshälfte kann dem Auge nichts passieren. Eine Ansteckungsgefahr für bereits früher an Windpocken erkrankte Personen besteht nicht. Die Diagnose und Behandlung übernimmt jetzt der Hautarzt und stellte bei Verdacht auf mögliche Augenbeteiligung dem Augenarzt vor.

Herpes Zoster links Stirnast

Die Augenbeteiligung tritt erst 2-4 Wochen nach Auftreten der Hautveränderungen auf.

Innerhalb von 72 Stunden nach Auftreten der Hautveränderungen muss jedoch mit Tabletten (Visustatika) begonnen werden, um den Verlauf noch positiv beeinflussen zu können. Dies senkt auch die Rate der Augenbeteiligung. In den Augen können massive Entzündungszustände (Uveitis) und an der Oberfläche schwere Hornhautveränderungen im schlimmsten Fall bis zur Erblindung führen.

Die häufigste neurologische Komplikation ist die postherpetische Neuralgie, die in 10-30% der Fälle auftritt. Hierbei treten 4 Wochen nach der Erkrankung massive stechende Gesichtsschmerzen auf, die mindestens einen Monat aber auch Jahre anhalten können. Sie ist der häufigste Grund für einen Selbstmord chronischer Schmerzpatienten im Alter über 70 !!

Seit neuestem gibt es jetzt eine Impfung, die mit hoher Wahrscheinlichkeit gegen das Auftreten des Herpes Zoster und besonders gegen die Nervenschmerzen in der Folge schützt. Sie wird sogar von den Krankenkassen bezahlt und ist ab 60 sehr empfehlenswert.

Informationen im Internet:

www.herpes24.com

(Stand 07.04.2019)