Makuladegeneration (Makulopathie):

Was versteht man unter Makulopathie oder auch Makuladegeneration ?

Die Netzhaut dient der Wahrnehmung der Umwelt im Auge. Sie ist - wenn man das Auge mit einer Photokamera vergleicht - so etwas wie der Film. Ihre Mitte wird Makula genannt (siehe Netzhautphoto unten).

Netzhauteinteilung

Die Makula ist gleichzeitig der Bereich mit dem wir am besten Sehen können und auf dem das abgebildet wird, was wir “ins Auge fassen”. Das Zentrum der Makula - die Fovea (“Punkt des schärfsten Sehens”) - ist besonders leistungsfähig, sie dient der Erkennung von winzigen Details (einzelne Buchstaben z.B.). Mit dem Rest der Netzhaut sieht man weitaus weniger genau (vergleiche auch die Seite über das Gesichtsfeld). Um ein praktisches Beispiel zu nehmen: “Schauen Sie jemandem ins Gesicht und beschreiben Sie seine Gürtelschnalle in allen Einzelheiten ohne seine Nase aus den Augen zu lassen. Obwohl Sie die Gürtelschnalle wahrnehmen, sehen Sie sie erst genau, wenn Sie direkt dort hinschauen.” Der Rest der Netzhaut dient also nur der Orientierung. Details erkennen kann man nur mit dem Zentrum, der Netzhaut. Wird dieses beschädigt, ist das Lesen ohne Verwendung einer Spezialbrille - und manchmal auch dann - nicht mehr möglich. Eine Erkrankung und in ihrer Folge Funktionseinschränkung der Netzhautmitte wird Makulopathie genannt. Einen fortschreitenden Funktionsverlust durch Abbau von Gewebe in der Makula bezeichnet man als Makuladegeneration. Beides sind jedoch nur Oberbegriffe für eine große Gruppe von Netzhauterkrankungen mit Befall des Netzhautzentrums

Die große Gruppe der angeborenen (z.B. Morbus Stargardt) oder wie z.B. beim Diabetes erworbenen Makulaerkrankungen soll in diesem Rahmen nicht besprochen werden, sondern hier geht es nur um die häufigste Form, die altersabhängige Makuladegeneration.

Was passiert da denn genau bei der altersabhängigen Makuladegeneration ?

Die altersabhängige Makuladegeneration (abgekürzt: AMD) ist die häufigste Ursache für eine dauerhafte erhebliche Sehverschlechterung bei Patienten über 50 Jahre in der westlichen Welt. 88% der “Erblindungen” nach der gesetzlichen Definition (das heißt starke Seheinschränkung mit deutlicher Behinderung im Alltag, nicht absolute Dunkelheit) im höheren Alter gehen auf ihre Kosten. In Deutschland kommt es jedes Jahr zu ca. 300.000 Neuerkrankungen und betroffen sind insgesamt ca. 4,6 Millionen Menschen. Nach neueren Zahlen sind sogar ca. 7 Millionen Patienten in Deutschland von Frühstadien betroffen. Es handelt sich dabei um eine im Alter auftretende Erkrankung der Netzhaut. Es erkrankt immer nur die Mitte der Netzhaut (die Makula), die durch zunehmende Stoffwechselstörungen der Zellen und folgende Abbauprozesse mit eventuell begleitenden Schwellungen und Blutungen geschädigt und manchmal ganz zerstört wird (siehe auch das untere Bild mit dem gelblich grauen Bezirk und vergleiche mit dem normalen Netzhautbild ganz oben).

Netzhautbild einer feuchten Makuladegeneration

Insofern tritt auch keine völlige Erblindung ein, sondern es bleibt eine gewisse Orientierungsfähigkeit mit den äußeren Teilen der Netzhaut erhalten. Eine neuere Studie aus Mainz rüttelt etwas an der bisherigen Definition der Alterserkrankung, die ja nicht vor 50 auftritt. Auch bei 35-44-jährigen wurden schon Frühformen der altersabhängigen Makuladegeneration entdeckt.

Im Prinzip unterscheidet man 2 Hauptformen: Die trockene und die feuchte altersabhängige Makuladegeneration.

  • Bei der trockenen Makuladegeneration kommt es in der Anfangsphase im Bereich der Makula zu einer Ansammlung von Abfallprodukten des Stoffwechsels (“Zellmüll”) unter der Netzhaut, den Drusen (siehe kleine gelbe Flecken im Beispielsbild unten zur trockenen Makuladegeneration). Diese “Müllberge” heben die Netzhaut von den sie ernährenden Schichten ab. Folge ist, ihre Leistungsfähigkeit und damit auch das Sehvermögen lässt nach. Das Gewebe kann in weiten Teilen zugrunde gehen, bis es in der Spätphase der trockenen Makuladegeneration Areale gibt, in denen das Gewebe komplett zerstört ist (siehe Schwarz-Weiß-Bild weiter unten) und man in diesen Bereichen nichts mehr erkennt. Man spricht dann auch von areolärer oder geographischer Makuladegeneration, d.h. bestimmte Areale sind einfach zerstört. Das “geographisch” bezieht sich auf das landkartenartige Zerstörungsmuster. Subjektiv merkt man dies weil beim Lesen plötzlich Buchstaben bzw. Teile eines Wortes “weg sind”. Der Verlauf der trockenen AMD ist jedoch sehr langsam und geht unterschiedlich weit. Es kann auch bei reinen Sehminderungen bleiben.

  • Die feuchte Makuladegeneration beginnt meist auch mit Drusen aber dann brechen neu gebildete Blutgefäße (Neovaskularisationen) durch die unter der Netzhaut liegende Schicht und zerstören diese durch Flüssigkeitsausschwitzungen, Blutungen und letztendlich Narbenbildungen. Subjektiv ist “etwas im Weg” beim Sehen. Auf dem Beispielsbild unten zur feuchten Makuladegeneration sieht man neben dem gelben Sehnerven links, in der Mitte (der Makula) ein zentrales unscharf gezeichnetes gelblich-graues Areal (der Bereich der Schwellungen) und drumherum rötliche Bereiche (Begleitblutungen). Der Patient sieht mit diesen beschädigten Bereichen nur schemenhaft. Ein Graubrauner Fleck ist beim Betrachten der Umwelt subjektiv“im Bild”.

trockene Makulopathie mit Drusen

Oben trockene Makuladegeneration, hier mit Drusen (s. Pfeil) und unten feuchte Makuladegeneration (grauer Pfeil) mit Blutung (weißer Pfeil).

feuchte Makulopathie mit Blutung Pfeil 300

Wie ist denn der Verlauf ?

Die trockene Form verläuft meist leichter und langsamer (Jahre), während die feuchte Form kurzfristiger (Monate) zu erheblichen Schäden und meist zum Verlust des Lesevermögens führt. Zum Verhältnis: Die feuchte Form stellt zwar nur 15% aller Fälle von AMD, sie ist aber für über 90% der durch die AMD bedingten Erblindungen verantwortlich. Insgesamt leiden ca. 480.000 Menschen ind Deutschland an einem Spätstadium der AMD und somit an einer der Blindheit gleichzusetzendem Zustand. Bedenken muß man allerdings, daß es zahlreiche Unterformen der beiden Haupttypen gibt. Dies ist sowohl für die Therapie als auch für die Aussichten von großer Bedeutung.

Wie merke ich dies selber ?

Nach einer Umfrage wissen nur 5% aller Deutschen überhaupt was diese Krankheit ist. Umso mehr sollte man bei bestimmten Symptomen aufmerksam werden. Zunächst kommt es zu einer meist langsamen Sehverschlechterung (vor allem bei der trockenen Makulopathie). Farben erscheinen verwaschen und blasser, Gegenstände generell kontrastärmer (das Kontrastsehen nimmt ab), die Blendungsemfindlichkeit ist erhöht, die Gewöhnung an Helligkeitsunterschiede dauert länger. Weiterhin können beim Lesen die Buchstaben verzerrt (Metamorphopsien) und gerade Linien verbogen (meist bei der feuchten Makulopathie) sein. Buchstaben oder Gegenstände sind “plötzlich weg und wieder da”. Bei fortgeschrittenen Formen ist eventuell ein dunkler Fleck in der Mitte des Gesichtsfeldes im Weg oder die Köpfe der Gegenüberstehenden sind hinter einem Fleck verborgen (siehe Photo unten), es ist quasi “etwas im Weg beim Schauen” (“positives Skotom” im Gegensatz zum “negativen Skotom” bei Sehnervenerkrankungen).

So sieht der Patient sein Gegenüber

Oben ein Beispiel, wie man das Gesicht seines Gegenübers kaum noch erkennen kann mit einer feuchten Makulopathie

Letztendlich geht das Lesevermögen - auch mit aufgesetzter Lesebrille - bei den schweren Formen meist verloren. Eine genaue Voraussage über den Endzustand und das Ausmaß der Seheinschränkung ist nicht möglich. Einziger “Trost” bei dieser Erkrankung, eine völlige Erblindung tritt nie ein, da das seitliche Sehen (der Rest der Netzhaut ausserhalb der Makula) erhalten bleibt. Einen Selbsttest finden sie auf der Seite Amslertest. Hier finden Sie auch weitere Beispiele wie solche Verzerrungen im Alltag aus der Sicht des Patienten aussehen können

Wie überprüft dies der Augenarzt ?

Bei Verdacht und familiärer Neigung gibt er ab dem 50. Lebensjahr Tropfen zur Erweiterung der Pupille und betrachtet die Netzhaut mit einer speziellen Lupe. Ein Sehtest wird mit einer sogenannten Amslertafel durchgeführt. Hierbei muß der Patient angeben, ob er auf einem Kästchenmuster Verzerrungen erkennt. In Zweifelsfällen wird eine Angiographie der Netzhaut oder ein OCT durchgeführt (Genaueres unter Diagnostik, unten ein Beispiel für eine trocken Makulopathie - in der Angiographie - bei der Teile der Netzhaut zerstört sind -> die hellen Areale).

Angiographie einer trockenen Makuladegeneration

Oben ein Beispiel einer areolären Form der trockenen Makulopathie in der Blutgefäßdarstellung mit Kontrastmittel (Angiographie). Der Kreis rechts ist der Sehnerv. Die Striche sind die Blutgefäße. Die weißlichen Flecken in der Mitte sind zerstörte Netzhaut. Wenn dieser Patient jemanden anschaut, könnte das so aussehen wie auf dem Bild darüber.

Was sind Ursachen bzw. fördernde Faktoren ?

  • Erbliche Neigung (43% der Makulopathien sind genetisch erklärbar) als wichtigster Faktor. Das Risiko ist 4-fach erhöht bei Makulopathien in der Familie. Liegen beide derzeit dafür bekannten Gene auf zwei bestimmten Chromosomen in der “Risikoform” vor, ist das Risiko sogar 57-fach erhöht.
  • Das Alter und der verminderte Stoffwechsel in der Netzhaut
  • Zu viel UV-Licht im Laufe des Lebens
  • Hoher Blutdruck und Herz-Kreislauferkrankungen, die dieVersorgung der Netzhaut beeinträchtigen
  • Vitamin- und Nährstoffmangel
  • Rauchen ! (6-fach erhöhtes Risiko für eine feuchte Makulopathie) In einer Studie aus dem Jahre 2007 waren 27% der Fälle von Makulopathie dem starken Rauchen zuzuschreiben. Das Bild rechts, als Schocker auf den Zigarettenpackungen, trifft es leider gar nicht. Erstens sieht man dort einen Grauen Star, der nicht durch Rauchen entsteht und zweitens verschlechtert die Makulopathie zwar das Sehen aber macht nicht völlig blind ?

Rauchen auf der Zigarettenpackung

Übrigens keiner der Risikofaktoren führt zu einer bestimmten Form der Makulopathie und auch der Typ kann nicht vererbt werden, sondern nur das Risiko überhaupt.

Was kann man vorbeugend tun ?

Zunächst die oben erwähnten Risikofaktoren wo möglich meiden. Das heißt: Blutdruck einstellen lassen, nicht Rauchen und evtl. bestehende Herz- und Kreislauferkrankungen behandeln oder besser noch ihnen vorbeugen. UV-Schutz bei starker Sonnenstrahlung (Gebirge und Meer).

In der Diskussion ist derzeit auch die möglicherweise besonders schädigende Wirkung des blauen Lichts, welches neben der UV-Strahlung besonders agressiv im Bereich der Makula wirkt. Es gibt bereits spezielle Brillengläser, sogenannte Kantenfiltergläser, die bestimmte Anteile des Lichtes herausfiltern ohne die Sehschärfe negativ zu beeinflussen. Je nach Ausmaß des gefilterten Lichtes kann jedoch nachts die Fahrtüchtigkeit dadurch eingeschränkt bis aufgehoben sein. Weiterhin werden bei bestehenden Makulaschäden ggf. im Rahmen der Grauen-Star-Operation spezielle Linsen eingepflanzt, die hier zusätzlich das Licht filtern (siehe Gelbfilterlinsen unter Staroperation). Langfristige Studien, die den - theoretisch vorhandenen - positiven Effekt der Gelbfilterlinsen bestätigen, gibt es allerdings noch nicht. Das durch die Staroperation an sich, die Entwicklung einer Makuladegeneration gefördert wird, hat sich übrigens nicht bestätigt.

Im medikamentösen Bereich wird die vorbeugende Wirkung von Vitaminen und Spurenelementen vermutet, konnte aber bisher nicht vollständig bewiesen werden. Die Versuche beruhten auf der Annahme, daß eine Unterversorgung mit diesen Stoffen mitverantwortlich für den Abbau des Gewebes ist. In größeren neueren Studien fand sich tatsächlich ein vermindertes Auftreten von Makulopathien in den Versuchsgruppen mit gesteigerter Zufuhr von diesen Stoffen. Eine ausgewogene Ernährung wird daher empfohlen (siehe auch unter Vitamintherapie bei Makulopathie) und eine zusätzliche Einnahme von Nahrungsergänzungssubstanzen kann für Risikogruppen erwogen werden. Getreu dem Motto “Schaden kann`s auch nicht” wird hier manchmal zuviel des Guten getan. Eine amerikanische Homepage (www.macd.net/ vitamintool) bietet daher bereits eine Möglichkeit ausrechnen zu lassen, ob die persönlich genommenen Vitaminpräparate sich nicht negativ aufaddieren.

Was kann man bei bereits erfolgter Erkrankung bei trockener Makulopathie tun ?

Bei der trockenen Makulopathie sind die Möglichkeiten leider noch sehr begrenzt.

Eine in 2009 abgeschlossene Studie hat erstmal Hinweise erbracht, dass doch deutliche Schutzeffekte auch bei bestimmten Formen der trockenen Makulpathie durch die Einnahme bestimmter Vitaminkombinationen erreichbar sind. In 2011 zeigte eine Studie sogar vorbeugende Effekte bestimmter Vitamingaben. Bisher war der Beweis nur für bestimmte fortgeschrittenen Stadien der bereits eingetretenen Erkrankung gelungen. Eine Hochdosistherapie mit Zink und bestimmten Vitaminen, konnte dort das Fortschreiten deutlich verlangsamen, war jedoch in dieser Dosierung nicht dauernd und daher vorbeugend verträglich. Entsprechende Präparate sind in Deutschland erhältlich, müssen aber selbst bezahlt werden. Näheres zu den Vitaminen auf der Seite Vitamintherapie bei Makulopathie.

In den klinischen Studien - also noch vor der Zulassung als Medikament - sind jetzt allerdings 3 Medikamente, die das Fortschreiten deutlich verlangsamen. Das derzeit in den Medien häufig erwähnte Medikament muss allerdings regelmäßig in das Auge gespritzt werden, wie es bei der IVOM der Fall ist. Es verzögert die Entwicklung der fortgeschrittenen (geographischen) Atrophie. Heilt sie aber nicht und ist auch noch nicht zugelassen. Derzeit sieht es auch nicht nach einer Zulassung aus, da die ersten Erfolge sich nicht bestätigt haben.

Die Behandung bestimmter Punkte in der Netzhaut mit ultrakurzen Laserpulsen, um eine Immunantwort und dadurch die Bildung neuer Zellen anzuregen, wird zwar diskutiert und im Rahmen von Studien angewandt aber bisher liegt kein ausreichender wissenschaftlicher Nachweis vor, der die Wirksamkeit und die möglicherweise negativen Auswirkungen beurteilbar machen würde. Gedacht war dies um bei frühen Formen der altersbedingten Makulopathie die Entwicklung aufzuhalten oder zu bremsen.

Auch die Akupunktur und die Ozontherapie haben bisher - im Gegensatz zu den Behauptungen mancher Therapeuten - in keiner Studie beweisen können, daß sie eine Reparatur der zerstörten Areale erreichen können. Die Stärken der Akupunktur z.B. liegen auf ganz anderen Gebieten (Schmerz- und Entzündungshemmung -> siehe auch unter alternative Heilverfahren). Ein Versuch mit der Akupunktur kann demgemäß also allenfalls bei Formen der Makulopathie erfolgen, bei denen die entzündliche Netzhautschwellung das Hauptproblem darstellt. Dies ist aber nur in gewissen Stadien der feuchten Makulopathie der Fall und auch nur eine theoretische und nicht in ihrer Wirkung bewiesene Möglichkeit. Da hier auch andere weitaus wirksamere Verfahren existieren (s.u.), kann man die Akkupunktur hier nur als Ergänzung betrachten und sollte sie nie als alleinige Therapie anwenden.

Die Rheopherese (Blutfilterung) bei bestimmten Formen der trockenen Makulopathie ist mit ca. 15.000 Euro pro Jahr sehr teuer, muß selbst bezahlt werden und hat nur in der Frühphase Verzögerungen der Entwicklung um einige Jahre bewirkt aber bisher noch keine wirklich bedeutsamen Steigerungen beweisen können.

Was kann man bei bereits erfolgter Erkrankung bei feuchter Makulopathietun ?

Bei der feuchten Form der Makulopathie, die aus der trockenen Form hervorgehen kann oder sich direkt bildet, hat sich in den letzten Jahren sehr viel getan. Absolut entscheidend für die Auswahl und den Beginn der geeigneten Therapie ist es, den richtigen Zeitpunkt für die richtige Unterform der feuchten Makulopathie zu “erwischen”. Insofern sind regelmäßige Kontrollen durch einen Augenarzt für den Therapieerfolg enorm wichtig.

Im folgenden, die in den letzten Jahren angewandten Verfahren, die seit Einführung der Intravitrealen Injektion (s. Punkt 6) als Standardtherapie, größtenteils nur noch in Einzelfällen angewendet werden oder sogar nur noch geschichtliche Bedeutung haben:

  1. Die operativen Möglichkeiten in Form von Netzhautoperationen mit Verschiebung der Netzhaut (Makulatranslokation, autologe RPE-Translokation) oder Entfernung der unter der Netzhaut befindlichen Membranen und Blutansammlungen sind - entgegen dem teilweise verbreiteten Optimismus - leider nur für vereinzelte ausgewählte Krankheitsverläufe geeignet und führen auch hier nicht immer zum gewünschten Erfolg. Sie werden selten angewandt. Problematisch ist hier insbesondere wenn medikamentöse Blutverdünnung vorliegt. Hier treten weitaus häufiger Blutungen aus einer feuchten Makulopathie auf. Die Blutungen sind auch stärker und damit zerstörerischer (Blutung setzt z.B. “netzhautgiftige” Substanzen frei) und gleichzeitig ist die Operation problematischer, da die Blutungsneigung während der Operationhöher ist.

  2. Die Lasertherapie in Form der direkten Verschmelzung der der wuchernden Gefäße eignet sich nur für ausserhalb des Zentrums der Makula (der Fovea) sitzende Veränderungen, da das wichtige Zentrum ja erhalten bleiben soll und der Laser das ganze Gewebe zerstört und vernarbt. Sie wird nur noch selten angewendet

  3. Die transpupilläre Thermotherapie (TTT) ist eine neuere Form der Behandlung auch für zentrale Prozesse. Hier wird mittels eines Lasers das betroffene Gewebe nicht zerstört wie bei der reinen Laserbehandlung, sondern durch kontrollierte Temperaturerhöhung einem Hitzeschock ausgesetzt, der bestimmte Reparaturmechanismen in Gang setzt und das umgebende Gewebe weitestgehend schont. Die Dosierung der Energie ist jedoch sehr problematisch und es können auch Narben entstehen. Seit der Einführung der intravitrealen Injektion wird sie daher nicht mehr angewandt.

  4. Am erfolgversprechendsten und bis vor wenigen Jahren als Standardtherapie anerkannt, war die sogenannte photodynamische Therapie (PDT) . Hier handelt es sich um eine Kombination aus Gabe eines lichtsensiblen Medikamentes und anschliessende Verödung der Gefäßwucherungen im Bereich der Netzhaut mittels Anregung einer chemischen Reaktion in den Blutgefäßen durch einen speziellen Laser. Hierbei bleibt das umgebende Gewebe intakt und nur das wuchernde Gefäß wird zerstört bzw, verschlossen. Probleme hierbei sind:

    • Die gesetzlichen Krankenkassen zahlen nicht in allen Fällen. Mehrere Behandlungen mit dem teuren Medikament sind notwendig, daher ist mit Kosten von mehreren Tausend Mark zu rechnen, die man bei fehlender Begründbarkeit selbst tragen muß. Es lässt sich jedoch vorher eindeutig mittels Angiographie bestimmen ob eine Behandlung überhaupt Sinn macht und ob eine “Kassenindikation”, d.h. ein Fall bei dem die Kasse zahlt, vorliegt oder nicht.
    • Eine Verbesserung des Sehens tritt kaum ein. Von Erfolg spricht man dann (und der tritt nicht immer ein !!), wenn dem Zerstörungsprozeß Einhalt geboten werden kann das heißt, sich das Sehen nicht weiter oder deutlich langsamer verschlechtert.
    • Nur für einen Teil der feuchten Makulopathien eignet sich dieses Verfahren.

    Auch diese Therapie wird daher inzwischen nur noch in Einzelfällen angewandt

  5. Zunehmend häufiger wurde in den letzten Jahren auch Cortison ins Auge gespritzt um Schwellungszustände im Rahmen der feuchten Makulopathie und hier vor allem das Makulaödem zu bremsen. Vorübergehende Sehverbesserungen werden beobachtet. Leider lässt die Wirkung nach 3 Monaten nach und die Injektion muß wiederholt werden. Die Gefahr der Entwicklung eines ausgeprägten Grünen Stars und Grauen Stars als Nebenwirkung ist relativ hoch. Weiterhin besteht die Gefahr von Infektionen im Auge. Dieses Verfahren ist daher etwas gefährlicher als die PDT und eher als Ergänzung zur PDT und dem folgenden Verfahren geeignet. Neuerungen auf diesem Gebiet mit geringeren Nebenwirkungen sind die Einpflanzung von Depotimplantaten in das Auge (IVOM), bei denen das Cortison langsamer und niedriger dosiert abgegeben wird. Auch sie werden mit einer Art Spritze (Injektor) in das Auge gegeben.

  6. Derzeit zum Standard für die Frühphase der meisten Formen der feuchten Makulopathie hat sich das Spritzen bestimmter die Blutgefäßwucherungen hemmender Stoffe (sogenannte VEGF-Hemmer z.B.Avastin®, Lucentis®), Eylea®) in das Auge entwickelt. Man spricht von Intravitrealer Injektion, kurz IVOM. Dadurch werden die die Wucherungen anregenden Botenstoffe (VEGF) des Körpers gehemmt (daher der Ausdruck “VEGF-Hemmer”) bzw. blockiert und die Wucherungsneigung gestoppt, während die photodynamische Therapie die einmal vorhandenen Blutgefäße nur vernarben kann. Zusätzlich entwickeln sich die Schwellungszustände und Blutungen mangels Nachschub aus den Wucherungen zurück. Teilweise wird über erstaunliche Sehsteigerungen bei diesen Medikamenten berichtet. Insofern ist dies das erste Therapieverfahren, bei dem Sehsteigerungen erreicht werden können. Problem ist, daß die Wirkung je nach Präparat nach 4 bzw. 6 Wochen nachlässt und eventuell häufig wiederholt werden muß. Nach neueren Statistiken ist seit der Anwendung dieser Medikamente, die Anzahl der Erblindungen durch eine feuchte Makulopathie um die Hälfte zurückgegangen.

    Im Einzelfall muß eventuell eine ergänzende Behandlung mit der photodynamischen Therapie (selten) oder mit Cortison (s. Punkt 5)** erfolgen. Wichtig ist auch die ganz frühe Anwendung, da nur dann maximaler Erfolg im Sinne einer Sehsteigerung erzielt werden kann. Auch bei dieser Therapieform ist die Vergütung durch die Kassen nicht ganz klar geregelt. Nach vorhergehendem Antrag werden die Kosten jedoch in der Regel übernommen. Für den Kassenpatienten ungewohnterweise bekommt er erst mal eine Rechnung, kann diese aber dann bei der Kasse einreichen. Ein bisschen so wie beim Privatpatienten. Dieses komplizierte Verfahren wird in letzter Zeit zunehmend durch Direktverträge zwischen der gesetzlichen Krankenkasse und dem Operateur ersetzt, so daß der Patient nicht mehr in Vorleistung treten oder gar zuzahlen muß.

  7. Als Heilverfahren zugelassen (CE-Zulassung für den sicheren Betrieb der Strahlenquelle) und seit August 2010 in Deutschland angewandt und daher noch nicht mit Langzeiterfahrungen versehen ist die die örtliche Bestrahlung der Makula nach der erfolglosen Gabe von VEGF-Hemmern (s.o.) im Auge oder um die Häufigkeit der Injektionen zu vermindern: Die sogenannte epiretinale Brachytherapie (“epiretinal” steht für “in der Nähe der Netzhaut” und “Brachytherapie” bedeutet “geringgradige Therapie”, weil nur eine geringgradige Strahlung verwendet wird). Dadurch soll die Wirkdauer “der Spritze” deutlich erhöht bzw. bei fehlender Sehsteigerung ein zusätzlicher Effekt erzielt werden, da die wuchernden Zellen (die Neovaskularisation, s.o.) zerstört werden ohne (so hofft man) das umliegende Gewebe zu schädigen. Das Vorgehen ist allerdings sehr aufwendig und teuer. Zunächst wird der Glaskörper entfernt (Vitrektomie), dann eine dünne Strahlensonde in das Auge bis in die Nähe der Makula geschoben und diese 4 Minuten radioaktiv bestrahlt. Keine Angst, die Reichweite der Strahlenquelle liegt im 4mm-Bereich und schädigt den Körper nicht. Ob dies auch für den Rest des Auges (Netzhaut und Sehnerv)gilt ist nicht 100% sicher !! Es fehlen eben noch die Langzeiterfahrungen. Danach wird ggf. zusätzlich die übliche Spritze mit den VEGF-Hemmern gegeben. Die letzten Studien sind noch nicht abgeschlossen und so sollte dieses Verfahren einstweilen nur unter kontrollierten Studienbedingungen angewandt werden. Eine Studie aus 2012 hat jetzt ergeben, daß die epiretinale Brachytherapie der fortgeführten Therapie mit VEGF-Hemmern deutlich unterlegen ist.

Häufigkeit der altersbedingten Makuladegeneration ?

Allein in Europa sind aktuell (2018) 20 Millionen Menschen von einem Sehabfall aufgrund der altersbedingten Makuladegeneration betroffen. Weltweit sollen es im Jahr 2040 bereits 288 Millionen sein., davon hat jeder Zehnte eine mittelscheere bis schwere Form.

FAZIT: Zusammenfassend kann man sagen, daß nur regelmäßige Kontrollen der Netzhaut durch den Augenarzt eine sinnvolle Beratung und Auswahl des geeigneten Vorgehens ermöglichen und trotz der Fortschritte immer noch einem nicht geringen Anteil Teil der Patienten nicht entscheidend geholfen werden kann. Angesichts der vererbbaren Neigung zu dieser Erkrankung ist die regelmäßige Kontrolle der Kinder des Betroffenen - auch ohne Krankheitszeichen - ab dem 50. Lebensjahr von Bedeutung.

Wie man mit den Sehproblemen im Alltag zurechtkommt und welche staatlichen Hilfen existieren, darüber informieren Selbsthilfegruppen. Bei stark eingeschränktem Sehvermögen und fehlender Lesefähigkeit mit Lesebrille, gibt es die Möglichkeit der Anpassung vergrößernder Sehhilfen, die so ein Lesen häufig noch ermöglichen. Ganz aktuell (Studie in 2011) ist auch die erstmalige Einpflanzung einer Teleskoplinse in das Auge (siehe CentraSight unter Links unten). Langfristige Erfahrungen liegen jedoch noch nicht vor.

Informationen im Internet:

Auf GooglePlay oder im AppStore findet sich die App: “AugenPass” der Firma Bayer. Hier finden sich Tips, Erklärungen, ein Terminkalender mit Erinnerungsfunktion für den nächsten Arztbesuch oder die nächste Spritze, Vorlesefunktionen, Farberkennungshilfe etc.

http://visusvital.de/de/amd-patienten-interessierte/info-download/index.php (Broschüren zum Bestellen und Herunterladen der Firma Bayer)

http://ratgeber-makula.de/amd/ueberblick/ (kommerzielle Seite aber gut gemacht)

http://www.amd-netz.de/ (Patientenhilfeseite aus NRW)

http://www.centrasight.com/ (Englische Seite über das Optische Augenimplantat)

(Stand 30.04.2019)