Die Untersuchung mit dem OCT:

Was ist ein OCT:

OCT ist die Abkürzung für Optische Kohärenztomographie bzw. im Englischen: “Optical coherence tomography”. Es müsste also die OCT heißen, da es sich aber um das Gerät dafür handelt, verwende ich im Folgenden den Begriff: “Das OCT” In der Augenheilkunde wird dieses Gerät seit 1996 breiter verwendet und ist zu einem unverzichtbaren Bestandteil der Diagnostik geworden.

Wie funktioniert das ?

Im Prinzip ist es so etwas ähnliches wie der Ultraschall, bloß das bei ihm Schallwellen genommen werden, um sich ein Bild vom Innenleben eines Körperteils zu machen und hier ist es spezielles (niedrig kohärentes Infrarotlicht) Licht. Salopp gesagt ist es “Ultraschall mit Licht”. Es dringt ca. 1-3 mm in die Oberfläche ein und aus dem reflektierenden Licht wird ein Schnittbild errechnet das um ein vielfaches detaillierter ist als der Ultraschall (siehe Ultraschallbilder). Die Auflösung, d.h. die Fähigkeit 2 Punkte zu trennen reicht bis zu 5 Mikrometer, also 5 Tausendstel Millimeter, während der übliche Ultraschall am Auge nur bis 0,15 Millimeter oder der hochauflösende Ultraschall bis 50 Tausendstel Millimeter reicht.

Wofür braucht man das ?

Es wird hauptsächlich in der Augenheilkunde und dort zur Beurteilung der Netzhaut vor allem ihrer wichtigen Mitte - der Makula - verwendet. Es ermöglicht die genaue Lokalisation von krankhaften Veränderungen in den einzelnen Schichten und eine einfache Beurteilung des Therapieerfolgs bei bestimmten Behandlungen (s. z.B. bei der Intravitrealen Injektion). Es sind Netzhautdetails darstellbar, die somit keiner anderen Untersuchungsmethode gefunden werden können. Dies macht das OCT heute unverzichtbar für eine moderne Diagnostik. Ein zweites Anwendungsgebiet ist die Beurteilung des Sehnervenkopfes und der von ihm ausgehenden Nervenfasern vor allem beim Grünen Star. Der dritte Bereich ist der vordere Augenabschnitt mit Hornhaut und Kammerwinkel.

Wie läuft die Untersuchung ab ?

Völlig unproblematisch. Man setzt sich vor ein Gerät, legt das Kinn auf und schaut auf ein Kreuz im Gerät. Der Untersucher (meist eine Arzthelferin) löst den Meßvorgang aus und ein feiner Laserstrahl tastet völlig ungefährlich und blend- und schmerzfrei den Augenhintergrund, den Sehnerven oder den vorderen Augenabschnitt ab. Dies kann praktischerweise in der Regel ohne Weittropfen der Pupille erfolgen. Anschließend begutachtet der behandelnde Augenarzt den Befund. (s. Bild unten mit freundlicher Genehmigung der Firma Zeiss)

OCT, hier von Zeiss

Wie sieht das Ergebnis aus ?

Die Netzhaut ist je nach Meßort zwischen 0,1 und 0,56mm dick und besteht aus mehreren Schichten mit unterschiedlicher Funktion im Rahmen der Verarbeitung der Bildinformationen. Diese filigrane Struktur lässt sich mit dem OCT in 10 verschiedenen Schichten darstellen. Hier “drunter” ein solches Bild, daß den Querschnitt einer normalen Netzhaut im Bereich der Makula von vorne nach hinten darstellt. Es ist mit einem OCT der neuesten Generation (Spectral-domain-OCT) aufgenommen. Wie beim Fernsehen das höherauflösende HD-Bild, spricht man hier von HD-OCT

Netzhautschichten im OCT

Was sieht man im kranken Zustand ?

Im Folgenden 2 Beispiele:

Als erstes Beispiel (Bild unten) ein Loch in der Mitte der Netzhaut, ein sogenanntes Makulaforamen. Hier ist an der Stelle der Fovea (siehe Bild oben) ein Defekt, d.h. die Netzhaut fehlt da komplett und das Sehen in diesem wichtigen Bereich - der allein die maximale Sehschärfe von 100% ermöglicht - geht nicht.

Makulaforamen im OCT

Als Zweites ein Zystoides Makulaödem, eine Schwellung im Bereich der Makula. Hier hat sich Flüssigkeit in der Netzhaut gebildet (die dunklen Areale in der Netzhaut unten auf dem Bild) und schränkt ihre Funktion und damit das Sehvermögen stark ein. Bisher konnte dies nur mit der Angiographie oder der Netzhautbetrachtung entdeckt werden. Inzwischen weiß man, daß viele im OCT darstellbare zystoide Makulaödeme sich mit den anderen Untersuchungsmethoden gar nicht finden lassen.

Makulaödem im OCT

Was kann man ausser obigen Beispielen noch mit dem OCT beurteilen ?

  • Eigentlich alle Erkrankungen im Makulabereich und seiner Umgebung, die mit deutlichen Dicken- und Strukturveränderungen einhergehen. Dies betrifft vor allem:

  • Veränderungen durch die Zuckererkrankung, die die Netzhautmitte betreffen (diabetisches Makulaödem)

  • Veränderungen der Makula durch die trockene und die feuchte Makulopathie (Bild siehe unten) und den Verlauf der Erkrankung, insbesondere bei Gabe von speziellen Medikamenten in das Auge (intravitreale Injektion)

  • das Makulaödem bei Venenverschlüssen der Netzhaut

  • die epiretinale Gliose (Bild unten) und vitreomakuläre Traktionen als Erkrankungen des Grenzgebietes zwischen der Netzhaut und des das Auge ausfüllenden Glaskörpers

  • Beschädigungen oder Veränderungen in einzelnen Schichten der Netzhaut wie z.B. bei der Retinitis pigmentosa oder nach einem Arterienastverschluß.

  • Die Vermessung der fortschreitenden schädigungsbedingten Aushöhlung des Sehnervenkopfes durch den Grünen Star.

    Hier zunächst im Bild sieht man die starke “Einbuchtung” (Excavation) durch langjährigen hohen Augeninnendruck:

    langjähriger hoher Augeninnendruck

    Und hier das andere normale Auge des gleichen Patienten mit einer normalen “Einbuchtung” im Querschnitt des OCT-Bildes:

    Sehnervenkopf bei normalem Augeninnendruck

    Zusätzlich lassen sich zunehmende Veränderungen der Nervenfasern in der Netzhaut darstellen und so sehr frühzeitig der Beginn eines Grünen Stars beim sogenannten Weitwinkelglaukom diagnostizieren.

  • Den Kammerwinkel (beim Engwinkelglaukom z.B.) und die Hornhaut im vorderen Bereich des Auges bei Hornhautveränderungen.

  • Durch die Dickenmessung der einzelnen Netzhautschichten sind Aussagen zum Fortschreiten einer Multiplen Sklerose aber sollen auch Aussagen zum Vorliegen einer Parkinsonerkrankung möglich sein.

    Epiretinale Gliose im OCT

Oben ein Beispiel für eine epiretinale Gliose. Der weiße Pfeil zeigt die Fovea, das Sehzentrum der Netzhaut an. Die gelben Pfeile zeigen die membranartige Verdickung der Grenzschicht zwischen Netzhaut und Glaskörper. Auf der linken Seite hat der Zug der Membran die Netzhaut gefältelt. Dies führt zu Verzerrungen im Bild, die der Patient selbst im Amslertest überprüfen kann und die nur durch Operation in Form eines glaskörperchirurgischen Eingriffs behoben werden können.

feuchte Makuladegeneration im OCT

Oben ein Bild von einer feuchten Makuladegeneration bei der eine Wucherung von unten/hintenin die Netzhaut einwächst, diese anhebt und zerstört. Auf dem Bild sieht man deutlich die “Beule”. die dadurch entsteht und, die das verzerrte Sehen - das typisch für diese Krankheit ist - verursacht.

Übernimmt das die Krankenkasse ?

Bei den privaten Kassen wird es ohne Probleme übernommen. Leider bei den gesetzlichen Kassen meist nicht (Ausnahme bei bestimmten Kassen im Rahmen von Sonderverträgen im Zusammenhang mit der Kontrolle der intravitrealen Injektion). Dann handelt es sich um eine Individuelle Gesundheitsleistung (s.. IGeL).Insofern muß man sich schon genau überlegen, wann man dieses Gerät einsetzt. Interessant ist das Ergebnis fast immer und zur Verlaufsbeurteilung und grundlegenden Beurteilung mancher Erkrankungen auch unabdingbar aber unbedingt notwendig ist es nicht in allen Fällen. Der Gemeinsame Bundesausschuss hat jetzt beschlossen, dass in Zukunft bei der feuchten Makulopathie und dem diabetischen Makulaödem die Untersuchung auf Kassenkosten laufen können soll. Der genaue Zeitpunkt wird noch festgelegt. Wahrscheinlich noch in 2019. Angesichts der Tatsache, dass dieses Gerät in der Netzhautdiagnostik unverzichtbar ist und seit 1996 exisgtiert muss ich da mal ironisch werden: "Schnelle Entscheidungsfindung".

(Einige der Bilder auf dieser Seite mit freundlicher Genehmigung der Firma Heidelberg Engineering)

Was ist denn die OCT-Angiographie, kurz OCT-A ?

Während die klassische OCT nur räumliche Unterschiede im Reflexverhalten einzelner Schichten der Netzhaut darstellen kann, kann die OCT-A auch zeitliche Unterschiede und damit den Blutfluss darstellen. Insofern kann sie teilweise die klassische Fluoreszenzangiographie ersetzen, ohne dass man ein Kontrastmittel bräuchte. Mit der OCT-A sind teilweise auch feinere Unterscheide im Blutgefäßverhalten darstellbar. Flüssigkeitsaustritte aus undichten Blutgefäßen stellt sie leider nicht dar und insofern ist leider keine komplette Ersetzbarkeit der Fluoreszenzangiographie gegeben. Unten ein Bild, in dem man den regulären Blick auf die Netzhaut sieht und in dem kleinen Fenster den nahezu räumlichen Eindruck der OCT-Angiographie (Bild mit freundlicher Genehmigung der Firma Zeiss, bei der auch das Copyright liegt)

OCT-Angiographie 2

Eine kleinere Studie weist jetzt darauf hin, daß evt. mit der OCT-A auch Frühzeichen der Alzheimererkrankung in der Netzhaut darstellbar sind. In die Routinediagnostik hat dies aber noch keinen Eingang gefunden.

Wird das OCT auch noch in anderen Bereichen als der Diagnostik eingesetzt ?

Inzwischen wird es auch in Operationsmikroskope eingebaut, um bei unübersichtlichten Situationen während der Augenchirurgie dem Operateur genauere Detailinformationen zu geben. Man spricht auch vom "Intraoperativen OCT", kurz iOCT. Der Anwendungsbereich betrifft z.B.

  • Die Operation Vitreomakulärer Traktionen und epiretinaler Membranen, sowie beim Makulaforamen. Details zu diesen Erkrankungen s. unter Netzhauterkrankungen.
  • Wenn während der Netzhautchirurgie aufgrund von Trübungen kein ausreichender Einblick möglich ist.
  • Bei speziellen Operationen des Grünen Stars, um im Kammerwinkelbereich Genaueres Sehen zu können.
  • Im Rahmen der lamellierenden Hornhautchirurgie, wenn schichtweise Hornhaut abgetragen und wieder ergändzt wird. Näheres siehe auch unter Hornhauterkrankungen.

(Stand 02.05.2019)