Eine Wahrnehmungs- oder Sinnestäuschung liegt vor, wenn die gefühlte eigene (subjektive) Wahrnehmung von einer physikalisch erklärbaren und reproduzierbaren Messung bzw. Realität abweicht. Man muß sich imer bewusst sein, daß, Wahrnehmung subjektiv ist und vom Gehirn, bzw. der Bildverarbeitung dort, beeinflusst wird. Ein Beispiel für solche Sinnestäuschungen ist die optische Täuschung.

Optische Täuschungen bzw. das Sehen von nicht oder so nicht vorhandenen Dingen, beruhen daher auf der Unvollkommenheit unseres Sehsystems (vergleiche auch Der Sehvorgang).

Ursachen sind z.B.:

  • Zum Einen Lichtverzerrungen und Reflexe aufgrund der optisch nicht optimalen Konstruktion des Auges aber auch ausgelöst durch Alterserscheinung oder Erkrankungen des Auges (Grauer/Grüner Star/Hornhauttrübungen, Makulopathie)
  • Zum Anderen und weitaus häufiger, Fehler in der “Bildverarbeitung” des Sehzentrums im Gehirn. Letzeres können prinzipielle Schwachpunkte (siehe 1. Bild unten links) sein oder vorübergehende Fehlfunktionen (s. Migräne).
  • Bei einer Illusion wird ein real vorhandenes Bild verändert wahrgenommen: Ein tatsächlich vorhandener feststehender Gegenstand scheint sich zu bewegen (s. farbiges Bild unten links) oder in irregulären Mustern werden scheinbar Gesichter erkennbar (1. Bild unten rechts). Auch hier sind Schwachpunkte der Bildverarbeitung im Gehirn die Ursache. 
    • In diese Rubrik fällt auch die Chronostasis: Wenn man nach einer Augenbewegung den Blick auf eine Uhr richtet, erscheint die erste Sekunde einen minimalen Moment länger als die folgenden. Obwohl dieser Effekt bei jeder Augenbewegung auftritt, wird er nur bei Betrachtung eines äußeren Zeitgebers, wie einer Uhr, bewusst. Sinn ist wahrscheinlich, den Eindruck etwas zu festzuhalten, um das Bild besser zu analysieren. Das Prinzip Bilder länger zu halten wird ja auch beim Lidschlag verwendet, denn sonst müsste es 15 mal in der Minute dunkel vor Augen werden.
    • Als Pareidolie bezeichnet man die Neigung in Dingen und Mustern vermeintliche Gesichter (Beispielsbild ganz unten) und vertraute Wesen oder Gegenstände zu erkennen. Bekannte Beispiele sind Gesichter in Wolken und Landschaften (das “Mondgesicht”). Das insbesondere Gesichter gerne gesehen werden, hat wohl mit der “Alarmfunktion” des Gehirns zu tun, dass man auch hinter Büschen und Bäumen vermeintliche “Feinde” schnell erkennen können muß. Der Steinzeitmensch in uns lässt grüßen.
  • Sonderfälle wie optische Halluzinationen, d.h. nur in unserer Vorstellung bestehende Bilder, die wir aber als real ansehen, aufgrund einer psychischen (z.B. Psychosen) oder organischen (z.B. Epilepsie, Hirnschaden z.B. aufgrund eine Demenz mit Lewy-Körpern) Erkrankung oder unter dem Einfluß von Medikamenten/Drogen (z.B. halluzinogene Drogen wie LSD oder im Rahmen eines alkoholische Deliriums).
  • Bei der Pseudohalluzination sieht man auch etwas, dass nur in unserer Vorstellung existiert, merkt aber - im Gegensatz zur echten Halluzination -, daß das Gesehene nicht real ist.
  • Von der Halluzination zu unterscheiden ist die Wahnwahrnehmung. Dabei wird einer realen, also auch für andere genau so sichtbaren Wahrnehmung eine wahnhafte Bedeutung zugemessen. Ein Beispiel hierfür wäre, wenn jemand bei Verfolgungswahn (Paranoia) fest davon überzeugt ist, dass das auf dem Boden liegende, auf ihn weisende, Streichholz ein Hinweis seiner Verfolger ist, daß sie ihn bald holen kommen.

Ein Beispiel für ein häufiges rein optisches Problem, sind die “Fusseln” oder schwarzen Punkte, die man beim Blick gegen eine weiße Wand oder den blauen Himmel im entspannten Zustand sieht. Hierbei handelt es sich um Glaskörpertrübungen, d.h. kleine Substanzunregelmäßigkeiten des “Gelees”, der das Auge ausfüllt. Es kann aber auch ein ungleichmäßiger Tränenfilm sein

Die beliebten optischen Täuschungen in Form von Bildern, beruhen meist darauf, daß das Sehzentrum gesehene Farbkontraste überbetont oder Linien fortdenkt, um das Verständnis und Erkennen des Gesehenen zu erleichtern. Die hier verwendeten Bilder tricksen das Sehzentrum so aus.

Beispiele für solche optischen Täuschungen finden sie im Internet z.B. unter www.optic-info.de. Dort gibt es unter: “Optische Täuschungen und 3D” eine Seite mit Links.

Optische Täuschung

Links und rechts sehen Sie hier 2 Beispiele:

Aufgrund einer Wertung des Gehirns hält es links die linke Linie für länger obwohl beide Linien gleich lang sind.

 Rechts meint man entweder eine Vase oder 2 sich anlachende Gesichter zu erkennen, je nachdem worauf man sich konzentriert.

Scheinbewegung
Optische Täuschung

Links ein besonders irriterendes Beispiel für Scheinbewegung bzw. eine Illusion:

Obwohl sich an dem Bild effektiv nichts ändert hat man den Eindruck, es fände eine Bewegung statt. Weitere Beispiele auf:

 www.spapo.de/s037.html

 

Hierunter ist ein eher witzig gemeinter “Sehtest” abgebildet. Können Sie den Text nicht lesen wenn Sie direkt vor Ihrem Monitor sitzen, “sollten Sie zum Augenarzt gehen”. Das ist natürlich ironisch gemeint, denn aufgrund der gewohnten Wertung von Linien, kann das Gehirn den Text nicht als klare Buchstaben auflösen. Erst wenn man weiter weg vom Monitor oder die Augen zusammenkneift, kann man den Text lesen.

Hier drunter ein Beispiel für die oben beschriebene Pareidolie. Dieses Bild und mehr Beispiele unter: http://www.schleckysilberstein.com/2014/03/auch-sachen-haben-eine-seele-gesichter-gegenstanden/

Gesicht in der Landschaft

Ein anderes bekanntes Phänomen ist das sogenannte “Nachbild”. Starrt man für einige Sekunden auf eine sehr helle und scharf begrenzte Fläche, zum Beispiel auf ein weißes Kreuz in einem schwarzen Quadrat, so “brennt” sich diese Form auf der Netzhaut und im Gehirn ein. Es entsteht ein Nachbild des Kreuzes, das man aber nur für wenige Sekunden im Dunkeln sieht, beispielsweise wenn man die Augen schließt. Blickt man danach auf eine gleichmäßig helle Fläche, dann erscheint das Kreuz wieder für wenige Sekunden, allerdings als Negativ, also nicht weiß, sondern schwarz. Führt man den gleichen Versuch mit bestimmten farbigen Symbolen und Hintergründen durch, wird es noch faszinierender, da sich dann die Farben austauschen, das heißt das Kreuz nimmt die Hintergrundfarbe an und umgekehrt. Die Ursache liegt in bestimmten Gegenregulationsmechanismen in Netzhaut und Gehirn begründet, damit eine Farbe nicht zu stark überstrahlt. Ein Beispiel hierfür finden Sie auf der Seite Nachbilder.

Schöne regelmßig erneuerte Beispiele finden sich auf der Informationsunterseite über optische Täuschungen auf der Homepage des Berufsverbandes der Augenärzte.

Ein Überblick auf verschiedenste Formen von optischen Täuschungen findet sich auch auf der folgenden Seite: www.michaelbach.de/ot/index.html (leider in englisch).

Scheinbare Gesichter in Alltagsgegenständen s. http://www.schleckysilberstein.com/2014/03/auch-sachen-haben-eine-seele-gesichter-gegenstanden/

Videos auf youtube zur Thematik:

https://www.youtube.com/watch?v=TYKdolhBlDg

https://www.youtube.com/watch?v=H-kODfoijFE

http://www.youtube.com/watch?v=THn94N7Bt4s

http://www.nationalgeographic.de/reportagen/das-auge-und-es-ward-licht

https://www.youtube.com/watch?v=iv3NVlP9NTg

 

(Stand 03.11.2016)