Nachtblindheit ist ein sehr seltenes Phänomen. Trotzdem ist vielen der Begriff bekannt und zahlreiche meinen, sie wären davon betroffen. Wie kann das sein ? Was steckt dahinter ?

Was ist Nachtblindheit ?

Das Auge kann sich an stark herabgesetzte Helligkeit anpassen. Jeder kennt das Phänomen, daß man beim Wechsel von einem hellen in ei- nen dunklen Raum zunächst kaum etwas erkennt und nach einer Weile - bis zu einer gewissen Grenze - immer mehr sehen kann. Hierbei han- delt es sich um eine Anpassungsreaktion der Netzhaut (Dunkeladap- tation) durch eine chemische Reaktion in den Sinneszellen. Diese braucht eine gewisse Zeit. In den ersten 15 Minuten geht es relativ schnell aber erst nach 45-60 min ist das Maximum erreicht. Schaut man dann kurzfristig ins Helle, stellt sich das Auge recht schnell wieder um und braucht dann leider wieder genauso lange um sich an die dunklen Verhältnisse anzupassen. Ist diese Dunkelanpassung nicht möglich spricht man von Nachtblindheit (Hemeralopie). Das Sehen in der Dämmerung ist dann schlecht und ab einer gewissen Dunkelheit - bei der Gesunde noch sehen können -  nicht mehr vorhanden, man ist also blind. Daher auch der Name Nachtblindheit.

Daemmerung

 

Was sind die Ursachen ?

Wie bereits auf der Seite Bestandteile des Auges unter Netzhaut erklärt, sind für das Sehen in der Däm- merung die Stäbchen (Sinneszellen für das Schwarz/Weißsehen in der Netzhaut) zuständig. Störungen der Funktion der Stäbchen führen daher zu Problemen beim Sehen in der Dämmerung und bei Nacht.

Ursachen sind:

  • Eine angeborene, vererbbare Minderwertigkeit des Stäbchenapparates, die sogenannte essentielle Nachtblindheit. Die Stäbchen funktionieren zwar, können sich aber nicht an geringere Beleuchtung anpassen. Daher ist hier bis auf die Nachtsehprobleme (Autofahren in Dämmerung und Nacht ver- boten !) alles andere normal: Sehschärfe, Gesichtsfeld und Farbsehvermögen (geht ja auch über die Zapfen -> siehe Netzhaut)
  • Vitamin-A-Mangel durch ungenügende Zufuhr oder Nutzung bei Magen-Darm- Erkrankungen und Leberleiden. Das Vitamin A ist notwendig zur Regeneration des Sehpurpurs (Bestandteil der Sinnes- zellen der Netzhaut) und ohne dieses gelingt die Dunkeladaptation nicht. Im Gegensatz zur angebo- renen Nachtblindheit ist diese Form durch entsprechende Zufuhr des Vitamins mit der Nahrung wie- der zu beheben.
  • Erworbene Störungen der Stäbchenfunktion durch Erkrankungen der Netzhaut und des Sehner- ven. Am bekanntesten ist die Retinitis pigmentosa. Eigentlich immer wenn große Teile der äußeren Netzhaut zerstört werden - hier sitzen nämlich die meisten Stäbchen - kommt es zu Problemen. Hier wären als Beispiel die diabetische Netzhauterkrankung und die Chorioretinistis zu nennen. Auch wenn die weiterleitenden Nervenfasern, die für den äußeren Bereich der Netzhaut zuständig sind, beschädigt werden - wie es z.B. beim grünen Star oder bei einem Verkümmern des Sehnerven (Opticusatrophie) vorkommt - tritt ein Problem mit dem Sehen bei Dunkeheit auf. Im Unterschied zur angeborenen Nachtblindheit entwickelt sich hier die Nachtblindheit erst später und ist das Gesichtsfeld eingeschränkt, da der äußere Teil der Netzhaut nicht funktionsfähig ist.
  • Erhebliche Trübungen der Hornhaut und der Augenlinse (grauer Star) führen zu einer starken Dämpfung des Lichtes und damit natürlich zu einem eingeschränkten Sehen bei Dunkelheit. Hier handelt es sich aber nicht um echte Nachtblindheit.

Was merke ich selber ?

Während Andere - zwar aufgrund der geringen Beleuchtung eingeschränkt - noch sehen können, sehe ich nichts mehr. Nachts vor die Tür gehen ist unmöglich. Bei absoluter Dunkelheit sieht natürlich niemand etwas (siehe Bedeutung des Lichtes), das muß man schon unterscheiden.

Womit wird sie verwechselt ?

Nachtblindheit bedeutet, daß man ab einem bestimmten Helligkeitsabfall - im Gegensatz zu Gesunden - gar- nichts mehr sieht, also blind ist. Wenn man lediglich Probleme im Dunkeln hat - ein sehr weit verbreitetes Phänomen - kommen viele verschiedene Ursachen in Betracht und liegt keine echte Nachtblindheit vor (siehe unter Sehprobleme im Dunkeln).

Wie wird sie bewiesen ?

Es gibt bestimmte Geräte mit denen die Fähigkeit des Auges bei geringer Beleuchtung noch sehen zu kön- nen überprüft werden kann. Sie heißen entweder Mesoptometer oder Nyktometer. Mit dem Mesopto- meter wird das Ausmaß und die Geschwindigkeit der Anpassung der Netzhaut an die Dunkelheit gemessen. Beim Nyktometer wird das Kontrastsehen in der Dunkelheit mit und ohne Blendung gemessen. Letzteres ist vor allem für Autofahrer mit Nachtsehproblemen interessant. Bei den anderen Ursachen für schlech- teres Sehen in der Dunkelheit kommen dann weitere Untersuchungsmethoden aus der Augenheilkunde zum Tragen wie die Gesichtsfelduntersuchung.

Was kann man tun ?

Nur wenn man die zugrunde liegende Krankheit bei der erworbenen Nachtblindheit (z.B. Chorioretinitis) bzw. Nachtsehschwäche (z.B. grüner Star, grauer Star) rechtzeitig behandeln kann, ist ihre Entwicklung zu stoppen. Bei der angeborenen Nachtblindheit oder bei der bisher nicht heilbaren Retinitis pigmentosa kann man nur Hilfestellung geben mit Schutzbrillen etc. Siehe auch unter Selbsthilfegruppen.

(Stand 12.08.2007)