Was versteht man unter Makulopathie oder auch Makuladegeneration ?

Die Netzhaut dient der Wahrnehmung der Umwelt im Auge. Sie ist - wenn man das Auge mit einer Photokamera vergleicht - so etwas wie der Film. Ihre Mitte wird Makula genannt (siehe Bild rechts). Die Makula ist gleichzeitig der Bereich mit dem wir am besten Sehen können und auf dem das abgebildet wird, was wir “ins Auge fassen”. Das Zentrum der Makula - die Fo- vea (“Punkt des schärfsten Sehens”) - ist besonders leist- ungsfähig, sie dient der Erkennung von winzigen Details (ein- zelne Buchstaben z.B.). Mit dem Rest der Netzhaut sieht man weitaus weniger genau (vergleiche auch die Seite über das Gesichtsfeld). Um ein praktisches Beispiel zu nehmen: “Schauen Sie jemandem ins Gesicht und beschreiben Sie sei- ne Gürtelschnalle in allen Einzelheiten ohne seine Nase aus den Augen zu lassen. Obwohl Sie die Gürtelschnalle wahrnehmen, sehen Sie sie erst genau, wenn Sie direkt dort hinschauen.” Der Rest der Netzhaut dient also nur der Orientierung. Details er- kennen kann man nur mit dem Zentrum, der Netzhaut. Wird dieses beschädigt, ist das Lesen ohne Verwendung einer Spe- zialbrille - und manchmal auch dann - nicht mehr möglich. Eine Erkrankung und in ihrer Folge Funktionseinschränkung der Netzhautmitte wird Makulopathie genannt. Einen fortschreiten- den Funktionsverlust durch Abbau von Gewebe in der Makula bezeichnet man als Makuladegeneration. Beides sind jedoch nur Oberbegriffe für eine große Gruppe von Netzhauterkrank- ungen mit Befall des Netzhautzentrums.

Netzhauteinteilung
Netzhautbild einer feuchten Makuladegeneration

Die große Gruppe der angeborenen (z.B. Morbus Stargardt) oder wie z.B. beim Diabetes erworbenen Ma- kulaerkrankungen soll in diesem Rahmen nicht besprochen werden, sondern hier geht es nur um die häufig- ste Form, die altersabhängige Makuladegeneration.

Was passiert da denn genau bei der altersabhängigen Makuladegeneration ?

Die altersabhängige Makuladegeneration (AMD) ist die häufigste Ursache für eine dauerhafte erheb- liche Sehverschlechterung bei Patienten über 50 Jahre in der westlichen Welt. 88% der “Erblindun- gen” nach der gesetzlichen Definition (das heißt starke Seheinschränkung mit deutlicher Behinderung im All- tag, nicht absolute Dunkelheit) im höheren Alter gehen auf ihre Kosten. In Deutschland kommt es jedes Jahr zu ca. 300.000 Neuerkrankungen und betroffen sind insgesamt ca. 4,6 Millionen Menschen. Es handelt sich dabei um eine im Alter auftretende Erkrankung der Netzhaut. Es erkrankt ist immer nur die Mitte der Netz- haut (die Makula), die durch zunehmende Stoffwechselstörungen der Zellen und folgende Abbauprozesse mit eventuell begleitenden Schwellungen und Blutungen geschädigt und manchmal ganz zerstört wird (siehe auch das untere Bild rechts oben mit dem gelblich grauen Bezirk und vergleiche mit dem normalen Netzhautbild ganz oben). Insofern tritt auch keine völlige Erblindung ein, sondern es bleibt eine gewisse Orientierungs- fähigkeit mit den äußeren Teilen der Netzhaut erhalten,

Im Prinzip unterscheidet man 2 Hauptformen: Die trockene und die feuchte altersabhängige Makulade- generation.

  • Bei der trockenen Makuladegeneration kommt es in der Anfangsphase im Bereich der Makula zu einer An- sammlung von Abfallprodukten des Stoffwechsels (“Zell- müll”) unter der Netzhaut, den Drusen (siehe gelbe Flecken im Bild rechts) . Diese “Müllberge” heben die Netzhaut von den sie ernährenden Schichten ab. Folge ist, ihre Leistungsfähigkeit und damit auch das Sehvermögen lässt nach. Das Gewebe kann in weiten Teilen zugrunde gehen, bis es in der Spätphase der trockenen Makulade- generation Areale gibt, in denen das Gewebe komplett zerstört ist (siehe Schwarz-Weiß-Bild unten) und man in diesen Bereichen nichts mehr erkennt. Man spricht auch von areolärer oder geographischer Makuladegenera- tion, d.h. bestimmte Areale sind einfach zerstört. Das “geographisch” bezieht sich auf das landkartenartige Zer- störungsmuster. Subjektiv merkt man dies weil beim Le- sen plötzlich Buchstaben bzw. Teile eines Wortes “weg sind”. Der Verlauf der trockenen AMD ist jedoch sehr langsam und geht unterschiedlich weit. Es kann auch bei reinen Sehminderungen bleiben.
  • Die feuchte Makuladegeneration beginnt meist auch mit Drusen aber dann brechen neu gebildete Blutgefäße (Neovaskularisationen) durch die unter der Netzhaut liegende Schicht und zerstören diese durch Flüssigkeits- ausschwitzungen, Blutungen und letztendlich Narbenbil- dungen. Subjektiv ist “etwas im Weg” beim Sehen. Auf dem Beispielsbild rechts sieht man neben dem gelben Sehnerven links, in der Mitte (der Makula) ein zentrales unscharf gezeichnetes gelbliches Areal (der Bereich der Schwellungen) und drumherum rötliche Bereiche (Begleit- blutungen). Der Patient sieht mit diesen beschädigten Be- reichen nur schemenhaft. Ein Graubrauner Fleck ist “im Bild”.
Drusen im Bereich der Makula bei trockener Makuladegeneration

Oben trockene Makuladegeneration, hier mit Drusen und feuchte Makuladegenera- tion mit Blutung unten.

feuchte Makulopathie mit Blutungen

Wie ist denn der Verlauf ?

Die trockene Form verläuft meist leichter und langsamer, während die feuchte Form kurzfristiger zu erheb- lichen Schäden und meist zum Verlust des Lesevermögens führt. Zum Verhältnis: Die feuchte Form stellt zwar nur 15% aller Fälle von AMD, sie ist aber für über 90% der durch die AMD bedingten Erblindungen verant- wortlich. Bedenken muß man jedoch, daß es zahlreiche Unterformen der beiden Haupttypen gibt. Dies ist so- wohl für die Therapie als auch für die Aussichten von großer Bedeutung.

Wie merke ich dies selber ?

Nach einer Umfrage wissen nur 5% aller Deutschen überhaupt was diese Krankheit ist. Umso mehr sollte man bei bestimmten Symptomen aufmerksam werden. Zunächst sieht man beim Lesen die Buchstaben verzerrt und gerade Linien sind ver- bogen (meist bei der feuchten Makulopathie). Es kann aber auch eine langsame Sehverschlechterung sein (bei der trockenen Makulopathie). Farben erscheinen blasser, die Blen- dungsemfindlichkeit ist erhöht, die Gewöhnung an Helligkeits- unterschiede dauert länger. Buchstaben oder Gegenstände sind “plötzlich weg und wieder da”. Bei fortgeschrittenen Formen ist eventuell ein dunkler Fleck in der Mitte des Ge- sichtsfeldes im Weg oder die Köpfe der Gegenüberstehenden fehlen einfach (siehe Bild rechts). Letztendlich geht das Lesevermögen auch mit aufgesetzter Lesebrille meist verloren. Eine genaue Voraussage über den Endzustand und das Ausmaß der Seheinschränkung ist nicht möglich. Eine völlige Erblindung tritt nie ein, da das seitliche Sehen (der Rest der Netzhaut ausserhalb der Makula) erhalten bleibt. Einen Selbsttest finden sie auf der Seite Amslertest. Hier finden Sie auch weitere Beispiele wie solche Verzerrungen im Alltag aus der Sicht des Patienten aussehen können

Wie überprüft dies der Augenarzt ?

Er gibt Tropfen zur Erweiterung der Pupille und betrachtet die Netzhaut mit einer speziellen Lupe. Ein Sehtest wird mit einer sogenannten Amslertafel durchgeführt. Hierbei muß der Pa- tient angeben, ob er auf einem Kästchenmuster Verzerrungen erkennt. In Zweifelsfällen wird eine Angiographie der Netz- haut oder ein OCT durchgeführt (Genaueres unter Diagnostik, rechts ein Beispiel für eine trocken Makulopathie, bei der Teile der Netzhaut zerstört sind -> die hellen Areale).

Was sind Ursachen bzw. fördernde Faktoren ?

So sieht der Patient sein Gegenüber
Angiographie einer trockenen Makuladegeneration

Oben ein Beispiel einer areolären Form der trockenen Makulopathie in der Blutgefäß- darstellung mit Kontrastmittel (Angiogra- phie). Der Kreis rechts ist der Sehnerv. Die Striche sind die Blutgefäße. Die weißlichen Flecken in der Mitte sind zerstörte Netzhaut. Wenn dieser Patient jemanden anschaut, könnte das so aussehen wie auf dem Bild darüber.

  • Das Alter und der verminderte Stoffwechsel in der Netzhaut
  • Zu viel UV-Licht im Laufe des Lebens
  • Erbliche Neigung (25% der Makulopathien sind genetisch). Das Risiko ist 4-fach erhöht bei Makulo- pathien in der Familie. Liegen beide derzeit dafür bekannten Gene auf zwei bestimmten Chromoso- men in der “Risikoform” vor, ist das Risiko sogar 57-fach erhöht.
  • Hoher Blutdruck und Herz-Kreislauferkrankungen, die die Versorgung der Netzhaut beeinträchtigen
  • Rauchen ! (6-fach erhöhtes Risiko für eine feuchte Makulopathie) In einer Studie aus dem Jahre 2007 waren 27% der Fälle von Makulopathie dem starken Rauchen zuzuschreiben.
  • Vitamin- und Nährstoffmangel

Was kann man vorbeugend tun ?

Zunächst die oben erwähnten Risikofaktoren wo möglich meiden. Das heißt: Blutdruck einstellen lassen, nicht Rauchen und evtl. bestehende Herz- und Kreislauferkrankungen behandeln oder besser noch ihnen vor- beugen. UV-Schutz bei starker Sonnenstrahlung (Gebirge und Meer).

In der Diskussion ist derzeit auch die möglicherweise besonders schädigende Wirkung des blauen Lichts, welches neben der UV-Strahlung besonders agressiv im Bereich der Makula wirkt. Es gibt bereits spezielle Brillengläser, sogenannte Kantenfiltergläser, die bestimmte Anteile des Lichtes herausfiltern ohne die Sehschärfe negativ zu beeinflussen. Je nach Ausmaß des gefilterten Lichtes kann jedoch nachts die Fahr- tüchtigkeit dadurch eingeschränkt bis aufgehoben sein. Weiterhin werden bei bestehenden Makulaschäden ggf. im Rahmen der Grauen-Star-Operation spezielle Linsen eingepflanzt, die hier zusätzlich das Licht filtern (siehe Gelbfilterlinsen unter Staroperation).

Im medikamentösen Bereich wird die vorbeugende Wirkung von Vitaminen und Spurenelementen vermu- tet, konnte aber bisher nicht vollständig bewiesen werden. Die Versuche beruhten auf der Annahme, daß eine Unterversorgung mit diesen Stoffen mitverantwortlich für den Abbau des Gewebes ist. In größeren neueren Studien fand sich tatsächlich ein vermindertes Auftreten von Makulopathien in den Versuchsgruppen mit gesteigerter Zufuhr von diesen Stoffen. Eine ausgewogene Ernährung wird daher empfohlen (siehe auch unter Vitamintherapie bei Makulopathie) und eine zusätzliche Einnahme von Nahrungsergänzungs- substanzen kann für Risikogruppen erwogen werden. Getreu dem Motto “Schaden kann`s auch nicht” wird hier manchmal zuviel des Guten getan. Eine amerikanische Homepage (www.macd.net/ vitamintool) bietet daher bereits eine Möglichkeit ausrechnen zu lassen, ob die persönlich genommenen Vitaminpräparate sich nicht negativ aufaddieren.

Was kann man bei bereits erfolgter Erkrankung bei trockener Makulopathie tun ?

Bei der trockenen Makulopathie sind die Möglichkeiten leider noch sehr begrenzt.

Eine in 2009 abgeschlossene Studie hat erstmal Hinweise erbracht, dass doch deutliche Schutzeffekte auch bei leichten Formen durch die Einnahme bestimmter Vitaminkombinationen erreichbar sind. In 2011 zeigte eine Studie sogar vorbeugende Effekte bestimmter Vitamingaben. Bisher war der Beweis nur für bestimmte fortgeschrittenen Stadien der bereits eingetretenen Erkrankung gelungen. Eine Hochdosistherapie mit Zink und bestimmten Vitaminen, konnte dort das Fortschreiten deutlich verlangsamen, war jedoch in dieser Dosierung nicht dauernd und daher vorbeugend verträglich. Entsprechende Präparate sind in Deutschland erhältlich, müssen aber  selbst bezahlt werden. Näheres zu den Vitaminen auf der Seite Vitamintherapie bei Makulopathie.

In den klinischen Studien - also noch vor der Zulassung als Medikament - sind jetzt allerdings 3 Medikamen- te, die das Fortschreiten deutlich verlangsamen.

Auch die Akupunktur und die Ozontherapie haben bisher - im Gegensatz zu den Behauptungen mancher Therapeuten - in keiner Studie beweisen können, daß sie eine Reparatur der zerstörten Areale erreichen können. Die Stärken der Akupunktur z.B. liegen auf ganz anderen Gebieten (Schmerz- und Entzündungs- hemmung -> siehe auch unter alternative Heilverfahren). Ein Versuch mit der Akupunktur kann demge- mäß also allenfalls bei Formen der Makulopathie erfolgen, bei denen die entzündliche Netzhautschwellung das Hauptproblem darstellt. Dies ist aber nur in gewissen Stadien der feuchten Makulopathie der Fall. Da hier auch andere wirksamere Verfahren existieren (s.u.), kann man die Akkupunktur hier nur als Ergänzung betrachten und sollte sie nie als alleinige Therapie anwenden.

Die Rheopherese (Blutfilterung) bei bestimmten Formen der trockenen Makulopathie ist mit ca. 15.000 Euro pro Jahr sehr teuer, muß selbst bezahlt werden und hat nur in der Frühphase Verzögerungen der Entwicklung um einige Jahre bewirkt aber bisher noch keine wirklich bedeutsamen Steigerungen beweisen können.

Was kann man bei bereits erfolgter Erkrankung bei feuchter Makulopathie tun ?

Bei der feuchten Form der Makulopathie, die aus der trockenen Form hervorgehen kann oder sich direkt bildet, hat sich in den letzten Jahren sehr viel getan. Absolut entscheidend für die Auswahl und den Beginn der geeigneten Therapie ist es, den richtigen Zeitpunkt für die richtige Unterform der feuchten Makulopathie zu “erwischen”. Insofern sind regelmäßige Kontrollen durch einen Augenarzt für den Therapieerfolg enorm wichtig. Im folgenden, die in den letzten Jahren angewandten Verfahren:

1.) Die operativen Möglichkeiten in Form von Netzhautoperationen mit Verschiebung der Netzhaut (Maku- latranslokation, autologe RPE-Translokation) oder Entfernung der unter der Netzhaut befindlichen Membra- nen und Blutansammlungen sind - entgegen dem teilweise verbreiteten Optimismus - leider nur für vereinzelte ausgewählte Krankheitsverläufe geeignet und führen auch hier nicht immer zum gewünschten Erfolg. Sie werden selten angewandt.

2.) Die Lasertherapie in Form der direkten Verschmelzung der der wuchernden Gefäße eignet sich nur für ausserhalb des Zentrums der Makula (der Fovea) sitzende Veränderungen, da das wichtige Zentrum ja er- halten bleiben soll und der Laser das ganze Gewebe zerstört und vernarbt. Sie wird nur noch selten ange- wendet

3.) Die transpupilläre Thermotherapie (TTT) ist eine neuere Form der Behandlung auch für zentrale Pro- zesse. Hier wird mittels eines Lasers das betroffene Gewebe nicht zerstört wie bei der reinen Laserbehand- lung, sondern durch kontrollierte Temperaturerhöhung einem Hitzeschock ausgesetzt, der bestimmte Repa- raturmechanismen in Gang setzt und das umgebende Gewebe weitestgehend schont. Die Dosierung der Energie ist jedoch problematisch und es können auch Narben entstehen

4.) Am erfolgversprechendsten und bis vor wenigen Jahren als Standardtherapie anerkannt war die soge- nannte photodynamische Therapie (PDT) . Hier handelt es sich um eine Kombination aus Gabe eines Medikamentes und anschliessende Verödung der Gefäßwucherungen im Bereich der Netzhaut mittels eines speziellen Lasers. Hierbei bleibt das umgebende Gewebe intakt und nur das wuchernde Gefäß wird zerstört.

 Probleme hierbei sind:

  • Die gesetzlichen Krankenkassen zahlen nicht in allen Fällen. Mehrere Behandlungen mit dem teuren Medikament sind notwendig, daher ist mit Kosten von mehreren Tausend Mark zu rechnen, die man bei fehlender Begründbarkeit selbst tragen muß. Es lässt sich jedoch vorher eindeutig mittels Angiogra- phiebestimmen ob eine Behandlung überhaupt Sinn macht und ob eine “Kassenindikation”, d.h. ein Fall bei dem die Kasse zahlt, vorliegt oder nicht.
  • Eine Verbesserung des Sehens tritt kaum ein. Von Erfolg spricht man dann (und der tritt nicht immer ein !!), wenn dem Zerstörungsprozeß Einhalt geboten werden kann das heißt, sich das Sehen nicht weiter oder deutlich langsamer verschlechtert.
  • Nur für einen Teil der feuchten Makulopathien eignet sich dieses Verfahren.

Auch diese Therapie wird inzwischen nur noch in Einzelfällen angewandt

5.) Zunehmend häufiger wurde in den letzten Jahren auch Cortison ins Auge gespritzt um Schwellungszu- stände im Rahmen der feuchten Makulopathie und hier vor allem das Makulaödem zu bremsen. Vorübergehende Sehverbesserungen werden beobachtet. Leider lässt die Wirkung nach 3 Monaten nach und die Injektion muß wiederholt werden. Die Gefahr der Entwicklung eines ausgeprägten Grünen Stars als Nebenwirkung ist relativ hoch. Weiterhin besteht die Gefahr von Infektionen im Auge. Dieses Verfahren ist daher gefährlicher als die PDT und eher als Ergänzung zur PDT und dem folgenden Verfahren geeignet.

6.) Derzeit zum Standard für die Frühphase der meisten Formen der feuchten Makulopathie hat sich das Spritzen bestimmter das Gefäßwachstum hemmender Stoffe (sogenannte VEGF-Hemmer z.B. Avastin®, Lucentis®) in das Auge entwickelt. Man spricht von Intravitrealer (d.h. in den Glaskörper) Operativer Medikamenteneingabe, kurz IVOM. Dadurch werden die Wucherungen gestoppt, während die photodynamische Therapie sie nur vernarben kann. Zusätzlich entwickeln sich die Schwellungszustände und Blutungen mangels Nachschub aus den Wucherungen zurück. Dies kann nur in einem sterilen Operationssaal von einem erfahrenen Augenchirurgen vorgenommen werden. Lucentis® ist bei uns bereits erhältlich und zugelassen. Avastin® (eigentlich ein Medikament für Darmkrebs) wird an Kliniken und im Rahmen von Sondervereinbarungen von niedergelassenen Operateuren seit Jahren erfolgreich am Auge angewendet, ist aber eigentlich nicht dafür zugelassen. Der Preisunterschied bei diesen Medikamenten ist extrem, die Wirksamkeitssunterschiede jedoch nicht in gleichem Maße. Eine neue Ende April 2011 erschienene Studie (CATT-Studie) hat sogar keinen wesentlichen Unterschied feststellen können. Teilweise wird über erstaunliche Sehsteigerungen bei diesen Medikamenten berichtet. Insofern ist dies das erste Therapieverfahren, bei dem Sehsteigerungen erreicht werden können. Problem ist, daß die Wirkung je nach Präparat nach 4 bzw. 6 Wochen nachlässt und daher häufig wiederholt werden muß. Dies kann monatlich notwendig sein. Wie lange zeigt sich im Einzelfall. Es können aber Therapiedauern von 2 Jahren erreicht werden. Üblich ist jedoch zunächst in 4-6-wöchigem Abstand 3x zu spritzen und dann das Ergebnis mit der Angiographie oder dem OCT zu überprüfen, ob eine weitere Dreierserie notwendig ist. Insgesamt muß man in den meisten Fällen mit einer Stabilisierung des Befundes zufrieden sein. Ein fehlender Sehanstieg wird zwar vom Patienten als Mißerfolg empfunden, ein fehlender weiterer Abfall ist aber durchaus auch schon ein Erfolg. Ein volles Sehvermögen wird in der Regel nicht mehr erreicht. Von neueren Präparaten erhofft man sich eine seltenere Notwendigkeit der Gabe, die für den Patienten weniger belastend wäre. Immerhin muß ja immer in einem sterilen Operationssaal das Medikament in das Auge gespritzt werden. Dies ist zwar erstatunlicherweise wenig schmerzhaft aber auf “Begeisterung” stößt man dabei nicht.

Im Einzelfall muß eventuell eine ergänzende Behandlung mit der photodynamischen Therapie oder mit Cortison erfolgen. Wichtig ist auch die ganz frühe Anwendung, da nur dann maximaler Erfolg im Sinne einer Sehsteigerung erzielt werden kann. Auch bei dieser Therapieform ist die Vergütung durch die Kassen nicht ganz klar geregelt. Nach vorhergehendem Antrag werden die Kosten jedoch in der Regel übernommen. Für den Kassenpatienten ungewohnterweise bekommt er erst mal eine Rechnung, kann diese aber dann bei der Kasse einreichen. Ein bisschen so wie beim Privatpatienten.

Als Heilverfahren zugelassen aber erst seit August 2010 in Deutschland angewandt und daher noch nicht mit Langzeiterfahrungen versehen ist die die örtliche Bestrahlung der Makula nach der erfolglosen Gabe von VEGF-Hemmern (s.o.) im Auge oder um die Häufigkeit der Injektionen zu vermindern: Die sogenannte epimakuläre Brachytherapie. Dadurch soll die Wirkdauer “der Spritze” deutlich erhöht bzw. bei fehlender Sehsteigerung ein zusätzlicher Effekt erzielt werden. Das Vorgehen ist allerdings sehr aufwendig und teuer. Zunächst wird der Glaskörper entfernt (Vitrektomie), dann eine dünne Strahlensonde in das Auge gescho- ben und dort die Makula 4 Minuten radioaktiv bestrahlt. Keine Angst, die Reichweite der Strahlenquelle liegt im mm-Bereich und schädigt den Körper nicht. Ob dies auch für den Rest des Auges gilt ist nicht 100% sicher, hier fehlen eben die Langzeiterfahrungen. Dann wird zusätzlich die übliche Spritze mit den VEGF-Hemmern gegeben.

FAZIT: Zusammenfassend kann man sagen, daß nur regelmäßige Kontrollen der Netzhaut durch den Augen- arzt eine sinnvolle Beratung und Auswahl des geeigneten Vorgehens ermöglichen und trotz der Fortschritte immer noch einem nicht geringen Anteil Teil der Patienten nicht entscheidend geholfen werden kann. Ange- sichts der vererbbaren Neigung zu dieser Erkrankung ist die regelmäßige Kontrolle der Kinder des Betrof- fenen - auch ohne Krankheitszeichen - ab dem 50. Lebensjahr von Bedeutung.

Wie man mit den Sehproblemen im Alltag zurechtkommt und welche staatlichen Hilfen existieren, darüber informieren Selbsthilfegruppen. Bei stark eingeschränktem Sehvermögen und fehlender Lesefähigkeit mit Lesebrille, gibt es die Möglichkeit der Anpassung vergrößernder Sehhilfen, die so ein Lesen häufig noch ermöglichen.

(Stand 08.01.2012)