Beim Gerstenkorn (Hordeolum) und beim Hagelkorn (Chalazion) handelt es sich um gutartige entzünd- liche Verdickungen (Tumore) des Lides. Um es noch einmal zu betonen, “Tumor” heißt in der Medizin nicht zwangsläufig bösartig, sondern nur “Schwellung wo sie normal nicht hingehört” !

Was ist ein Gerstenkorn ?

Das Gerstenkorn entsteht durch Einwandern von Bakterien in bestimmte Lidranddrüsen. Besonders gern entsteht es im Rahmen einer chronischen (dau- erhaften) Lidrandentzündung oder bei trockenen Augen. Es kommt zur Eiterbildung im Lid, zur schmerzhaften Verdickung, Rötung und Schwellung des Lides ( zunächst eher diffus und später an einer besonders druckschmerzhaften Stelle konzentriert  und schließlich nach ca. einer Woche zum Aufplatz- en nach aussen auf die Haut unterhalb der Lidkante (äußeres Gerstenkorn) oder nach innen auf die Lid- innenseite (inneres Gerstenkorn). Selten kann es auch am Lidrand sitzen (Lidkantengerstenkorn). Im Prinzip ist es so etwas wie ein entzündeter “Pickel”, bloß an anderer Stelle. Auch so ein Pickel bildet zu- erst eine leicht verdickte schmerzhafte Stelle, ehe er typisch mit dem gelben Mittelpunkt nach aussen drängt. Wie der “Pickel” auch, heilt es von selber aus und hinterläßt selten Folgen (aber siehe Hagel- korn unten). Es handelt sich also im Gegensatz zum unten beschriebenen Hagelkorn um eine “akute” Erkrankung.

BILDER:

Auf den Bildern rechts, ist oben eine leichte Form zu sehen, die manchmal noch abheilt ohne sich zu er- öffnen. Als Zweites ein typischer Fall, der der Er- krankung auch seinen Namen gegeben hat. Man sieht den kleinen gelben Talg/Eiterfleck wie ein Korn auf der Lidkante sitzen. Hier handelt es sich um die erweiterte Öffnung einer Lidranddrüse, in der wie ein Stöpsel der verhärtete Talg sitzt. Der Bereich des Lides darunter ist schon entzündlich gerötet. Als Drittes das sogenannte “Innere Gerstenkorn”, wel- ches durch Herunterziehen des Lides erst deutlich sichtbar wird. Unten ein eher seltener sehr ausge- prägter Befund, der sich nach aussen oder innen eröffnen wird.

Wie kann man es behandeln ?

Um die Auflösung oder den Eiterausbruch und damit die schnellere Abheilung zu fördern hilft trockene Wärme, z.B. Rotlicht 2x täglich 5 Minuten auf die geschlossenen Augen mit Betonung des betroffenen Lides. Es soll ein warmes Gefühl wie beim Liegen in der Sonne geben, das Auge soll nicht “gebraten” werden. Alternativ können auch heisse Kompressen helfen. Wichtig ist nur, daß keine feuchten Kompres- sen (sehr “beliebt” Kamillentee) oder Umschläge verwendet werden, da so die Bakterien verschleppt wer- den und weitere Gerstenkörner entstehen kön-

leichtes bzw. beginnendes Gerstenkorn
typisches Lidkantengerstenkorn
inneres Gerstenkorn
massiver Befund eines Gerstenkorns

nen. Der Talg wird durch die Hitze dünnflüssiger und die Entzündung “angeheizt”. Das Gerstenkorn er- öffnet sich so schneller und die Lidkantenform (s. obeb 2. Bild) kann man sogar durch Massage zur Lidkante etwas ausdrücken. Bei den Formen ohne Öffnung NIE “dran rumdrücken”. Der Eiter geht so nur tiefer ins Gewebe. Spannt das Gerstenkorn zu schmerzhaft, hilft Kühlen die Schwellung vorübergehend zu mindern. Zur Bekämpfung der Bakterien werden antibiotische Augentropfen und -salben gegeben. Treten häufig wiederkehrend Gerstenkörner auf, soll man auch an einen Diabetes denken. Im reifen Stadium kann man es zur schnelleren Abheilung mit einer Kanüle oder einem Skalpell eröffnen (nur der Augenarzt ! keine Selbstoperation !)

Was ist ein Hagelkorn ?

Im Gegensatz zum Gerstenkorn schmerzt das Hagelkorn kaum. Wie eine kleine leicht bewegliche Erbse sitzt es unter der Haut im Ober- oder Unterlid. Es verschwindet fast nie spontan und besteht meist schon Monate, bis der Betroffene “es endlich leid” ist. Man spricht von einer “chronischen” Entzündung, im Gegensatz zum Gerstenkorn. Hier haben sich in einer verstopften Lidranddrüse die Überbleibsel einer Entzündung aber ohne Bakterien und Eiter abgekapselt. Es handelt sich um eine sogenannte “Sekretver- haltung” und anschließende Bildung von Narbengewebe. Es kann ein ehemaliges nicht komplett abgeheiltes Gerstenkorn sein. Begünstigend wirken auch chronische Lidrandentzündungen, meist ist aber keine vor- herige Entzündung erinnerlich. Der Körper hat den entzündlichen Bereich einfach “verpackt und abgelegt”. Dadurch kommt er selbst nicht mehr heran und der “Zellmüll” bleibt einfach liegen. In der Regel “regt er sich auch nicht mehr darüber auf” d.h. es besteht keine entzündliche Rötung. Selten ist das Hagelkorn entzündlich verändert, dann kann es fast wie ein Gerstenkorn aussehen. Erst die “Geschichte” weist dann auf  die Ursache hin. Schmerzhaftigkeit und Dauer des Bestehens sind die entscheidenden Hinweise..Es gibt allerdings auch Mischformen und Übergänge. Auf dem Bild unten sieht man am Oberlid ein “ausge- prägtes Exemplar”. Es gibt auch kleinere, die nur wie eine kleine Verhärtung unter der Haut tastbar sind.

Wie kann ich es behandeln ?

Beim Hagelkorn sind alle örtlich oder als Tablette angewandten Mittel ohne Erfolg. Im Prinzip kann man entweder damit leben, denn es ist ungefährlich und stört allenfalls kosmetisch oder man entfernt es in örtlicher Betäubung. Da dies meist von der Lid- innenseite erfolgen kann, sieht man auch keine Nar- ben. Auch bei Schnitt von aussen (manchmal sinn- voller) muß man nach der Abheilung keine Narben- spuren fürchten, da die dünne Lidhaut sehr schön und narbenarm verwächst. In der Regel sieht man

Hagelkorn

auch hier später nichts. Lässt man es längere Zeit bestehen können jedoch bei größeren Exemplaren Haut- verdünnungen darüber entstehen, die sich rötlich verfärben. Dann ist es schon “schöner” wenn man es vom Augenarzt entfernen lässt. Schwankungenin der Größe bei längerem Bestehen sollten übrigens nicht zu der Hoffnung verleiten, “das geht schon weg”. Entzündet es sich, muß vor der Operation die Entzün- dung mit Tropfen und Salben behandelt werden.

(Stand 22.08.2008)