Was ist der Augeninnendruck ?

So wie ein Ball einen gewissen Druck haben muß um richtig zu funktionieren - ist er zu niedrig rollt er nicht und ist er zu hoch nimmt die Aussenhülle Schaden - muß auch das im Prinzip ja genauso hohle Organ Auge einen gewissen Innendruck haben, um perfekt zu funktionieren. Im Auge wird daher ständig im sogenannten Ziliarkörper neue Augenflüssigkeit gebildet, die später über den Kammerwinkel wieder abfliesst (siehe Aufbau des Auges). Der dabei im Auge entstehende Innendruck wird vom Körper automatisch in einem gewissen Bereich geregelt. Dies ist ungefähr vergleichbar dem Blutdruck. Ein Zusammenhang in der Druck- höhe besteht aber nicht d.h. wer hohen Blutdruck hat muß nicht hohen Augeninnendruck haben und umge- kehrt.

Was ist der Grüne Star ?

Beim Grünen Star, handelt es sich um eine Erkrankung, bei welcher der Druck im Auge zu stark für die Be- lastungsfähigkeit bzw. Durchblutung des Sehnervenkopfes ist. Der Sehnervenkopf ist die Mündung des Sehnerven aus dem Gehirn in die Augenrückseite. Von hier aus verteilen sich die einzelnen Nervenfasern auf die ganze Netzhaut. Der Sehnerv ist also die Bündelung der einzelnen Nervenfasern. Im Mündungsbereich und dann im ganzen Auge sterben diese Fasern durch den zu hohen Augeninnendruck langsam nacheinan- der ab. Das tut in der Regel nicht weh. Der Patient merkt den Schaden erst, wenn das zentrale Sehvermögen abfällt. In diesem fortgeschrittenen Stadium sind bereits bis zu 90% der Sehnervenfasern irreparabel zerstört. Das Ergebnis sind große Gesichtsfeldausfälle (in bestimmte Richtungen erkennt man nichts mehr) oder sogar völlige Erblindung. 10-25% aller Erblindungen werden durch den Grünen Star (der Fachausdruck lautet: Glaukom) hervorgerufen. Nach Hochrechnungen leben in Deutschland 5 Millionen Menschen mit einem er- höhten Augeninnendruck und damit dem Risiko, ein Glaukom (hiervon spricht man erst wenn ein Schaden vorliegt) zu bekommen. 500.000 sind bereits erkrankt und 50.000 müssen mit Erblindung rechnen, wenn das Glaukom nicht bald erkannt und behandelt wird. Nach der Makulopathie ist der grüne Star die zweithäu- figste Erblindungsursache in Deutschland. Weltweit geht man von 60 Millionen Erkrankungen am “Primären Glaukom” (Ursache für den Grünen Star ist hier nicht eine andere Erkrankung wie beim Sekundärglaukom) im Jahr 2010 aus. 8,4 Millionen der Betroffenen werden erblindet sein. Damit ist der Grüne Star auch weltweit die zweithäufigste Erblindungsursache.

Welche Formen gibt es ?

Beim sogenannten Weitwinkelglaukom - der häufigsten Form - findet sich ein schmerzloser Verlauf über viele Jahre. Fällt der erhöhte Druck oder der Gesichtsfeldausfall nicht bei einer Routinekontrolle auf, können schon schwere Schäden aufgetreten sein, bevor der Patient etwas merkt.

Beim Engwinkelglaukom - einer deutlich selteneren Form - kommt es zu einem schmerzhaften Glaukoman- fall, der den Patienten schnell zum Arzt treibt. Dies ist auch notwendig, da es innerhalb weniger Tage zur völ- ligen Erblindung kommen kann. Grundursache ist hier in der Regel ein “Konstruktionsfehler” des Auges - d.h. bei diesen Patienten ist der Kammerwinkel schmaler als normal - und zusätzlich bestimmte mechanische Belastungssituationen.

Weiterhin gibt es seltenere Formen, wie den durch einen extrem fortgeschrittenen Grauen Star, chronische Cortisongabe, Entzündungen im Auge z.B. durch Allgemeinerkrankungen wie Rheuma oder Sarkoidose, Gefäßverschlüsse oder durch eine Augenverletzung hervorgerufenen Grünen Star (sogenannte Sekun- därglaukome). Hier treten teilweise andere Anzeichen auf.

Eine weitere zwar seltene aber doch sehr bedeutsame Form ist der angeborene Grüne Star. Hier können sich “wunderschöne große Augen” bei den Kindern finden, welche durch den zu hohen Druck hervorgerufen werden (siehe auch www.glaukom-kinder.de). Leider zeigt dies schon einen schweren Schaden des Au- ges an.

Zunehmend wird auch die Bedeutung der Durchblutung des Sehnerven erkannt. Es gibt nämlich Grüner-Star- Patienten, die einen normalen Augeninnendruck haben (bis zu 30% !) und trotzdem zunehmend die typischen Schäden des Sehnerven wie bei einem Glaukom zeigen. Man spricht dann von einem Niedrigdruckglau- kom oder Low-Tension- Glaukom. Dies zeigt auch, daß die alleinige Augendruckmessung noch keine ausreichende Aussage über das Vorliegen eines Grünen Stars macht. Neuere Forschungen lassen auch eine Autoimmunkrankheit als Ursache möglich erscheinen. Dabei bildet der Körper Antikörper gegen seine eigenen Zellen und dies führt zu einem Gewebsuntergang. Einen Überblick über das Glaukom finden Sie auch unter den Seiten des Initiativkreises zur Glaukomfrüherkennung.

Warum heißt er so ?

Genauso wie der Graue Star, hat diese Erkrankung nichts mit dem Vogel, sondern nur mit dem “starren” Blick des letztendlich Erblindeten zu tun. Die Bezeichnung “grün” bezieht sich auf ein grünliches Schimmern der Pupille bei bestimmten fortgeschrittenen Formen. Der Fachausdruck für den Grünen Star ist: “Das Glau- kom”. Wobei auch dieser Name eher ein Versehen ist. Der Begriff Glaukom wurde bereits von Aristoteles geprägt und kommt vom griechischen “glaucos” für “hell, leuchtend, graubläulich wie das Meer”. Er meinte damit aber ein Schimmern der Augen, wie es nach bestimmten entzündlichen Augenerkrankungen auftrat. Aufgrund einer irrtümlichen Übersetzung eines Lehrbuchs der Augenheilkunde bürgerte sich bei uns dann der Begriff “Grüner Star” ein, der letztendlich für die oben beschriebene Krankheit reserviert wurde.

Wie kann man ihn rechtzeitig erkennen ?

Bei der häufigen chronischen Form des Grünen Stars finden sich lange keine Beschwerden. Es kommt zu zunehmenden Gesichtsfeldeinschränkun- gen (siehe rechts), d.h. man sieht immer weniger was von der Seite kommt. Die Sehschärfe beim Geradeausblick nimmt erst im fortgeschrittenen Stadium ab. Erst dann ist es für den Betroffenen selbst wirklich auffällig. Kommt der Patient jetzt - d.h. nach Jahren des Bestehens des Glaukoms - zum Augenarzt, sind bereits mehr als 90% der Sehnervenfasern unwiederbringlich zerstört. Hier hilft nur eine regelmäßige Augendruckkontrolle und weitere Untersuchungen (s. Netzhautunter- suchungGesichtsfeld, Spezialdiagnostik) beim Augenarzt.

Beim Glaukomanfall dagegen ist das Auge gerö- tet, die Hornhaut wirkt matt, die Pupille lichtreak- tionslos mittelweit, das Sehen herabgesetzt, es können farbige Lichtringe um Lichtquellen herum gesehen werden und der ganze Bereich um das Auge herum ist stark schmerzhaft. Ausgelöst wer- den kann er unter anderem durch angestrengtes Sehen bei schlechter Beleuchtung in gebückter Hal- tung (“die Suche nach der besonders guten Wein- flasche im Keller”). Grund ist hier die weite Pupille und das Bücken, beides macht den bei diesen Pa- tienten sowieso schon engen “Kammerwinkel” (heißt ja auch Engwinkelglaukom) noch enger und blockiert ihn schließlich, mit der Folge eines plötzli-

normales Gesichtsfeld
Gesichtsfeldausfall durch Glaukom

oben normales Gesichtsfeld und darunter stark eingeschränktes Gesichtsfeld durch ein Glaukom

chen Druckanstiegs, des Glaukomanfalls. Wird dieser extrem hohe Druck nicht schnell eingestellt, kann es innerhalb von Tagen zur Erblindung kommen.

Welche Untersuchungen führt der Augenarzt durch ?

Beim normalen Patienten ohne besondere Vorerkrankungen, mit gesunder Familie (Ist die Großmutter womöglich auch schon am grünen Star erblindet ?) und ohne andere verdächtige Zeichen, wird ab dem 40- sten Lebensjahr alle 2 Jahre der Augendruck kontrolliert und der Sehnervenkopf mit der Lupe be- urteilt. Gegebenenfalls wird eine Gesichtsfelduntersuchung oder eine Untersuchung des Kammerwinkels (die Stelle an der die Augenflüssigkeit wieder herausläuft) mit dem Kontaktglas (Gonioskopie) durchgeführt. Sind in der Familie Fälle von Grünem Star bekannt, sollte früher eine Überprüfung stattfinden.

Ist einmal ein Grüner Star diagnostiziert, sind häufige Kontrollen notwendig, um den Erfolg der Therapie zu beurteilen und gegebenenfalls weitere Maßnahmen zu veranlassen. Bei dringendem Verdacht oder bereits bestehendem Grünen Star werden all diese Maßnahmen von der gesetzlichen Krankenkasse bezahlt. Han- delt es sich um eine reine Vorsorgeuntersuchung - z.B. ab dem 40. Lebensjahr ohne große Verdachts- momente (die von den Augenärzten dringend empfohlen wird) - muß derzeit der Patient selber die Kosten übernehmen. Sie liegen bei ca. 16 Euro. Seit kurzem gibt es aufwendigere Untersuchungsverfahren um den grünen Star noch früher zu erkennen, eher zu behandeln und im Verlauf besser beurteilen zu können (GDx, HRT etc.). Diese sind jedoch noch teurer und müssen ebenfalls selbst bezahlt werden. Die Geräte dafür finden sich meist in Diagnostikzentren, Kliniken und sehr großen Augenarztpraxen.

Kann ich meinen Augeninnendruck selbst kontrollieren ?

Die Selbstkontrolle des Augeninnendrucks ist inzwischen relativ präzise technisch möglich. Es befindet sich ein Gerät dafür auf dem Markt, das Icare ONE (s. www.icaretonometer.com). Mal abgesehen davon, daß es ca. 900 Euro kostet, reicht es zur Verlaufskontrolle des Grünen Stars nicht aus, da der Augendruck nur ein kleiner Teil des Problems ist und das Fortschreiten der Erkrankung nur durch Gesichtsfeld- untersuchungen oder Nervenfasermessungen (GDx/HRT etc) beurteilbar ist..

Wie hoch ist denn ein normaler Augeninnendruck ?

Der Augendruck wird in “Millimeter Quecksilbersäule” (mmHg) gemessen. Einer heute kaum mehr gebräuch- lichen Maßeinheit. “Normal” ist er zwischen 10 und 22 mmHg. Wobei “normal” relativ ist, denn es gibt auch Patienten die liegen darüber und haben keine Schäden (okuläre Hypertension) und andere liegen im Normbereich und haben Schäden (Low-tension-Glaukom). Insofern ist immer die Gesamtzahl der Befunde entscheidend für die Diagnose Glaukom und nicht nur der Augendruck. Der Augeninnendruck ist auch nicht den ganzen Tag gleichhoch. Es gibt da normale und unproblematische Schwankungen. Im Liegen ist der Druck z.B. immer 2-4mmHg höher, da es hier zu einer Flüssigkeitsumverteilung im Körper kommt (Deswe- gen hat man je morgens auch häufig dickere Tränensäcke als abends, ansonsten hat das aber mit dem Augeninnendruck nichts zu tun). In Zwiefelsfällen muß man ein Tagesdruckprofil (d.h. mehrfache Messung über 24 Stunden) anfertigen.

Wie wird das Glaukom behandelt ?

Zunächst mit Augentropfen und - falls diese nicht ausreichend wirken - eventuell mit einer Laserbehand- lung. Nur in seltenen Fällen ist eine Operation erforderlich. Bei letzterer werden künstliche Abflusswege des Augenwassers (aus dem Auge heraus unter die Bindehaut) geschaffen. Eine gewisse Senkung des Augen- innendrucks (2-3mmHg) ist übrigens mit Autogenem Training oder vergleichbaren Entspannungsübungen möglich. Dies allein reicht bei deutlich erhöhtem Druck bloß leider nicht aus, da hier die Druckabsenkung deutlich stärker sein muß.

Liegt ein Neovaskularisationsglaukom vor, wie es bei der Zuckererkrankung und Gefäßverschlüssen vorkommt, ist eine Laserbehandlung der Netzhaut notwendig. Hilft alles nichts, erfolgt mittels Kälte eine Zer- störung des flüssigkeitsproduzierenden Gewebes (Ziliarkörper) im Auge der sogenannten Kryotherapie.

Bei den seltenen Formen, die durch Entzündungen, Tumore oder ähnliches hervorgerufen wurden, wird wenn möglich die Ursache behandelt, also z.B. die Entzündung gedämpft oder der Tumor entfernt.

Muß ich bestimmte Dinge vermeiden, wenn ich einen Grünen Star habe ?

Es gibt zahlreiche Medikamente, die den Augendruck beeinflussen. Kritisch sind sie in der Regel nur beim Engwinkelglaukom. Als Beispiel seien hier bestimmte Medikamente bei Blasenproblemen genannt, sie kön- nen den Druck erhöhen. Bedeutsam sind auch sportliche Aktivitäten, die den Augendruck vorübergehend er- höhen. Beim Kopfstand, der Yogaposition “Sirsana”, erhöht sich der Augendruck um 15-30 mmHg. Dies ist für 5 Minuten beim Gesunden kein Problem, als Glaukomkranker sollte man dies jedoch vermeiden. Es traten schon Glaukomanfälle (bei bestehenden Risikofaktoren) während dieser Übung auf. Auch andere Übungen, bei denen der Kopf längere Zeit unten ist, sollten vor allem beim Vorliegen eines Engwinkelglaukoms vermie- den werden. Krafttraining und Trompetespielen wirkt sich durch die Druckerhöhung im Brustraum bei maxi- maler Anstrengung vorübergehend steigernd auf den Augeninnendruck aus.

(Stand 20.05.2010)