Kontaktlinsen sind kleine Scheibchen aus unterschiedlichen Materialien, die direkt auf das Auge aufge- bracht werden, um die Brille zu ersetzen.

Vorteile von Kontaktlinsen:

Sie beschlagen nicht wie eine Brille. Vor allem bei starken Brillengläsern sind sie kosmetisch schöner und geben einen breiteren Ausblick ohne störende Erscheinungen am Glas- oder Brillenrand. Bestimmte Berufe können Brillen auch nicht durchgehend gebrauchen (z.B. Schauspieler, Arbeiten in feuchten Räumen etc.) Überzeugte prominente Brillenträger sind Charlize Theron, Drew Barrymore und Christina Aguilera. Die Kontaktlinsen sind nicht so im Weg und können nicht so leicht zerstört werden wie eine Brille, z.B. beim Sport. Bei Kurzsichtigkeit ist das Sehen teilweise besser als mit der Brille, da ein weiteres Gesichtsfeld be- steht, so eine Art Weitwinkeleffekt.. Es gibt weiterhin die Möglichkeit Farbstörungen oder teilweises Fehlen der Regenbogenhaut oder aber häßliche Hornhauttrübungen durch bemalte Kontaktlinsen zu verdecken. Letztendlich ist dies bei korrekter Trageweise, Behandlung und Kontrolle eine Korrektur ohne Risiko. Laseroperationen sind da schon problematischer.

Nachteile von Kontaktlinsen:

Höhere Kosten, mehr Pflegeaufwand, höhere Komplikationsrate (Keratitis), größere Oberflächenbelastung für das Auge und die Notwendigkeit von häufigeren Kontrollen. Probleme bei staubigen Berufen und aus- trocknender Umgebung (Zug, Klimaanlage, Bildschirmarbeit).

Arten von Kontaktlinsen:

Harte Kontaktlinsen schwimmen auf dem Tränenfilm und berühren das Auge kaum. Dadurch kann die Er- nährung der Hornhautoberfläche über die Tränen und die Sauerstoffversorgung besser erfolgen. Es gibt weniger Probleme mit Lufttrockenheit und chemischen Dämpfen. Dafür fallen sie schneller heraus und sind für Kontaktsportarten und in staubiger Umgebung weniger geeignet. Bei stärkeren Hornhautverkrümmun- gen oder gar einem Keratokonus sind sie die einzige Kontaktlinsenform, die anwendbar ist.

Weiche Kontaktlinsen können kaum noch (sogar beim Schwimmen) verloren werden. Auch mit staubiger Umgebung gibt es weniger Probleme. Ungeeignet sind sie jedoch bei trockener Luft und bei chemischen Dämpfen. Der Nachteil ist eine etwas schlechtere Versorgung der Augenoberfläche mit Sauerstoff, da sie dem Auge direkt aufsitzen. Hier sind regelmäßige Kontrollen (z.B. halbjährlich) durch den Augenarzt angebracht, der Sauerstoffmangelerscheinungen der Hornhaut früh erkennen kann und so Dauerschäden vermeiden hilft. Auch sollten die weichen Kontaktlinsen erst eine Stunde nach dem Aufstehen eingesetzt und eine Stunde vor dem zu Bett gehen herausgenommen werden, damit die Hornhaut vor und nach der Nacht noch etwas mehr Sauerstoff bekommen kann. Sonderformen bei den weichen Kontaktlinsen sind die Monatslinsen und die Tageslinsen.

Bei den Monatslinsen (Austauschsysteme) handelt es sich um preiswertere weiche Linsen, die nach einem Monat oder je nach Marke auch nach 2 Wochen weggeworfen und durch ein neues Paar ersetzt werden. Der Vorteil ist, daß  Unverträglichkeitsreaktionen (Allergien, Rötung, Brennen) seltener vorkommen, da die Oberfläche der Linse noch nicht gealtert ist und Ein- und Auflagerungen von Fremdstoffen (Konservier- ungsmittel, chemische Substanzen, Eiweiße etc.) nicht übermäßig erfolgen können, wie dies bei Kontakt- linsen, die 1-2 Jahre getragen werden, vorkommt. Preiswerter heißt hier übrigens nicht schlechte Qualität und größere Gefahren für das Auge. Monatslinsen werden daher zunehmend als Ersatz für die normalen Linsen genommen. Der Nachteil ist, daß Sonderlösungen, wie z.B. extreme Werte (z.B. starke Hornhaut- verkrümmung) hier häufig nicht erhältlich sind.

Die Tageslinsen sind Linsen, die nicht gereinigt werden müssen und nach Gebrauch weggeworfen werden (Einmallinsen). Sie bieten sich vor allem an für Allergiker und Gelegenheitsträger (1-2mal die Woche zum Sport, vor allem Schwimmen und Tauchen aus hygienischen Gründen). Bei täglichem Tragen ist jedoch die Monatslinse die kostengünstigere Lösung.

Eine weitere neuere Entwicklung sind Linsen die nachts garnicht mehr herausgenommen werden müssen (24-Stunden-Linsen). Aufgrund ihrer hohen Sauerstoffdurchlässigkeit soll dies kein Problem darstellen. Die Meinungen hierzu sind sehr geteilt und es kommen sicherlich nur häufig kontrollierte Patienten mit robusten Augenoberflächen in Frage. Von allen Kontaktlinsenarten haben sie die höchste Rate an Hornhautentzün- dungen als Folge

Der “letzte Schrei” sind jetzt die sogenannten Ortho-K-Linsen: Sie ermöglichen nach 8 Stunden nächt- lichem Tragen Kurzsichtigen (bis -4,5dptr Kurzsichtigkeit und 1,5 dptr Hornhautverkrümmung) anschließ- end 16 Stunden ein scharfes Sehen ohne Brille und ohne Kontaktlinse. Die sogenannte Orthokeratologie ist die Lehre von der Anpassung solcher Linsen. Es handelt sich dabei um eine gezielte Modellierung der Hornhautoberfläche (sie wird sozusagen in die richtige Form gebogen) durch spezielle für den einzelnen Patienten angepaßte harte Kontaktlinsen. Als Besonderheit wird hervorgehoben, daß im Gegensatz zu den Laseroperationen die Veränderungen komplett wieder verschwinden, wenn man mit dem Ergebnis nicht zufrieden ist. Die Studien zur langfristigen Verträglichkeit dieser ja jede Nacht zu tragenden Linsen ergaben gewisse Risiken, wie zum Beispiel das deutlich häufigere Auftreten von Hornhautgeschwüren. Patienten mit trockenen Augen sollten die Linsen daher ganz meiden. Bei bestimmten Berufen ist das Tragen solcher Linsen sogar verboten (z.B. Polizei, Pilot). Grund ist die fehlenden Stabilität des Sehvermögens über den Tag. Die Verkehrstüchtigkeit ist dadurch evtl. eingeschränkt oder teilweise auch nicht vorhanden ! Lässt der Effekt zu früh nach, kann die Linse im Tagesverlauf allerdings einfach wieder eingesetzt werden und wird wie eine normale Linse getragen.

Eine mehr kosmetische Lösung sind die farbigen Kontaktlinsen zur Änderung der Augenfarbe.

Kontaktlinsen und körperliche Belastung (Sport):

Ein sehr heikles Kapitel, da vor allem beim Hochleistungssport zahlreiche Probleme auftauchen. Unter den weichen Linsen kommt es zu einem starken Wärmestau mit Abfall der Konzentration der natürlichen antibakteriellen Substanzen (Lysozym) und einem Konzentrationsanstieg der sogenannten Prostaglandine, der die Einsprossung von Gefäßen in die klare Hornhaut fördert. Vor allem bei übersäuernden Sportarten (z.B. 1000m-Lauf , Rudern etc.) aber auch bei Ausdauersportarten (Marathon, Triathlon) tritt eine zunächst vorübergehende Hornhauttrübung auf, die das Sehvermögen während der Aktivität nach einer gewissen Zeit einschränkt (Kein Ultratriathlet kann die ganze Strecke weiche Kontaktlinsen tragen !). Aufgrund der höheren Sauerstoffdurchlässigkeit sind daher harte Kontaktlinsen trotz des höheren Verlustrisikos für solche Sportarten eher zu empfehlen. Wenn trotzdem während des Sports weiche Kontaktlinsen getragen werden, sollte wenigstens im sonstigen Privatbereich der harten Kontaktlinse der Vorzug gegeben werden.

Details über die Handhabung von weichen Kontaktlinsen finden Sie auf der nächsten Seite.

(Stand 20.10.2007)