Bindehautentzündung

Was ist ein “Rotes Auge” ?

Das sogenannte rote Auge ist nur eine Zustandsbeschreibung. Das ein Auge rot ist, sagt ungefähr soviel über die Ursache aus, wie Bauchschmerzen darüber was eigentlich im Bauch los ist. Liegt eine Entzündung gleich welcher Ursache oder eine leichte Oberflächenverletzung des Auges vor, wird es immer rot (durch die Erweiterung und vermehrte Füllung der Blutgefäße, Beispiel siehe oben im Bild) und tränt meist noch dazu (Fremdkörpergefühl führt zu Tränenfluß). Erst der Augenarzt kann hier genau sagen was die Ursache ist und wie die sinnvolle Behandlung ausssieht. Insofern ist der Versuch der Eigentherapie mit Hausmitteln wie Kamille (macht am Auge häufig Allergien !) oder “irgendwelchen” Tropfen aus der Apotheke sehr kritisch zu betrachten. Garnicht so selten wird so an ernsthafteren Erkrankungen “herumgedoktert” und ein Dauer- schaden riskiert.

Wann muß ich das nachsehen lassen ?

Handelt es sich nicht um eine in wenigen Tagen zurückgehende Veränderung, sondern nehmen die Be- schwerden zu, wird das Sehen schlechter oder kommen Schmerzen dazu, sollte unbedingt eine augenärzt- liche Abklärung erfolgen.

Was sind die Gründe für ein “Rotes Auge” ?

Die Gründe für ein rotes Auge sind vielfältig. In den meisten Fällen handelt es sich um ein sogenanntes trockenes Auge oder eine Bindehautentzündung. Ursache können aber auch Lidfehlstellungen wie z.B. ein Ektropium sein. Ähnlich in den Beschwerden aber viel gefährlicher kann eine Herpesinfektion der Au- genoberfläche, ein kleiner festsitzender Fremdkörper (siehe Bild und Beschreibung unter Druckschmer- zen), eine schwere Entzündung im Auge (Uveitis) oder ein beginnender Glaukomanfall sein. Weiterhin können Hornhauterkrankungen und -verletzungen, sowie nicht auskorrigierte Sehfehler ein Rotes Auge hervorrufen. Wie Sie sehen sind die Ursachen so zahlreich, daß der Blick des Fachmanns zwingend notwendig ist.

  • Häufig aber harmlos ist die Bindehautunterblutung (Hyposphagma), bei der ohne Verletzung oder Fremdkörpereinwirkung ein kleines Blutgefäß in der Bindehaut platzt und sich diese dunkelrot färbt (siehe auch Bild unter Bindehauterkrankungen). Es tritt aber kein Blut aus. Manchmal reibt es etwas, in der Regel ist es schmerzlos und sieht bloß schlimm aus. Das Blut verschwindet in ca. 2 Wochen spontan wieder, ohne Folgen zu hinterlassen.
  • Die ansteckungsbedingte Bindehautentzündung (s. unter Bindehauterkrankungen) wird meistens von Viren und nicht ganz so häufig von Bakterien hervorgerufen. Die Unterscheidung nur durch reinen Anblick bereitet selbst dem Augenarzt manchmal Schwierigkeiten. Bei milden Formen ist die Behand- lung symptomatisch, d.h. es werden Tropfen gegen die Hauptbeschwerden gegeben. Juckt das Auge mehr oder stört die Rötung, ist es geschwollen oder reibt, je nachdem gibt es Kombinationsmedika- mente in Tropfenform die hier lindernd wirken. Auch einige pflanzliche Präparate können sehr ange- nehm sein. Ursächlich läßt sich bei virusbedingten Augenentzündungen nicht vorgehen. Lediglich bak- teriell bedingte Entzündungen können durch entsprechende antibiotische Augentropfen bekämpft werden. Bei stärkerem bakteriellem Befall, der sich meist in nicht nur morgendlichem gelbem Schleim, sondern auch in ständigem Verklebtsein der Augen den ganzen Tag äußert, muß unbedingt mit Anti- biotika behandelt werden, da sonst die Gefahr von Oberflächenschäden der Hornhaut (Hornhautulcus) bis zu dauerhaften Narben oder Erblindung besteht. Dies ist jedoch eine Ausnahme. Meist hat man es mehr mit einem harmlosen “Augenschnupfen” (viele Schnupfenviren können auch das Auge befallen) zu tun, der nach einer Woche von selbst verschwindet. Eine Bindehautentzündung kann auch zusammen mit einer Lidrandentzündung (Blepharitis) auftreten und heißt dann Blepharokonjunktivitis.
  • Die dritte Ursache für Bindehautentzündungen ist die Allergie. Typisch ist ein plötzliches Auftreten, star- kes Tränen und Jucken und kaum Verklebungen wie sie bei der bakterienbedingten Bindehaut- entzündung üblich sind. Virusbedingte und allergiebedingte Entzündungen können manchmal durch bloßen Anblick nicht unterschieden werden.
  • Die Entzündung der Augenoberfläche durch Herpes dagegen, bedarf immer einer intensiven Kontrol- le und Therapie, da sie zu dauerhaften Hornhautnarben mit starken Seheinschränkungen führen kann. Leider kann sie abgesehen von der Rötung mit relativ geringen Beschwerden verlaufen und erst im fortgeschrittenen Stadium mit Seheinschränkungen kommt der Patient. Diese sind dann aufgrund einer möglichen Narbenbildung zwar noch heilbar - d.h. die Entzündung klingt ab - aber die Hornhauttrübung ist dann evt. dauerhaft. Weiteres siehe auch unter Hornhauterkrankungen.
  • Eine nicht ansteckungsbedingte Rötung der Augen tritt bei Kontakt der Bindehaut mit reizenden Substanzen auf, die sogenannte Reizkonjunktivitis. Dies können Gase, Stäube, sehr heiße oder sehr kalte Luft, sowie reizende (z.B. Rasierwasser im Auge) und ätzende Flüssigkeiten sein.
  • Die Uveitis (Aderhautentzündung), die zunächst mit ähnlichen Anzeichen wie eine harmlose Binde- hautentzündung einhergehen kann, ist eine entzündliche Erkrankung des ganzen Auges leider meist unbekannter Ursache. Häufig kommt sie im Rahmen von rheumatischen Erkrankungen vor. Sie neigt zu Rückfällen und kann die Betroffenen in ihrer Lebensführung stark beeinträchtigen, da vorübergehend oder dauerhaft, das Sehvermögen stark eingeschränkt ist, starke Lichtempfindlichkeit mit Schmerzen besteht (typisch) und mögliche Folgeschäden bis zum grünen Star z.B. entstehen können. Sofortige Behandlung ist daher wichtig. Dauerhafte Heilung leider nicht immer möglich, wenn die Ausgangs- krankheit im restlichen Körper nicht gefunden oder behandelt werden kann. Die Betroffenen dieser Krankheit haben eine Selbsthilfegruppe gegründet (s.u. Adressen). Näheres auch unter dem Stichwort UVEITIS
  • Die Verblitzung ist sozusagen ein “Sonnenbrand” der Hornhaut durch UV-Strahlung beim Schweis- sen oder bei Gletscherwanderungen ohne Schutzbrille und ist unter Augenschmerzen näher beschrie- ben.
  • Auch im Rahmen von Kopfschmerzen kann es durch Gefäßreaktionen begleitend zu Augenrötungen und -tränen kommen ohne das das Auge selber etwas hat. Typisches Beispiel ist das einseitig geröte- te Auge bei der einseitigen Migräne.

Was ist mit Rötungen um das Auge herum also im Lidbereich ?

Hier handelt es sich meist um Hauterkrankungen, die nicht un- bedingt etwas mit dem Auge selbst zu tun haben müssen. In Frage kommt hier z.B. das Ek- zem, eine allergische Hauter- krankung. Weiterhin Entzündun- gen im Lid, wie das Ger- stenkorn oder fortgeleitete Ent- zündungen aus den Nasenneben- höhlen (siehe Orbitazellulitis unter Lidschwellungen). Möglich sind aber auch Erkrankungen der Tränenwege als Ursache wie z.B. die Dakryozystitis. Exotisch aber auch vorkommend ist ein Zustand nach. Insektenstich wie auf dem nebenstehenden Bild. Hier zeigte sich mehrere Tage nach dem Stich eine scharf ab- gegrenzte Rötung, was ange- sichts der Zecke, die die Mutter

Borreliose

am Lid gefunden hatte, ein Beweis für eine Infektion mit Borrellien ist. Hier müssen unbedingt Antibiotika als Tablette gegeben werden.   

(Stand 25.01.2012)